Frisches Geld hilft Mittelstand

Sächsische Firmenchefs können zur Expansion ihres Betriebs unter verschiedenen Finanz- Instrumenten wählen.

Sächsische Zeitung, 27./28.10.2007

Dresden. Die beiden sächsischen Mittelständler René Reinert und Ekkehart Gürtler haben in der nahen Zukunft Großes vor. Sie wollen wachsen, expandieren, neue Arbeitsplätze schaffen.

René Reinert, Inhaber der Reinert Logistik aus Schleife bei Hoyerswerda, hat im letzten Jahr 100 neue Fahrzeuge angeschafft, Ekkehart Gürtler von der SIT Singwitz Industrietechnik im Landkreis Bautzen will in neueste Anlagentechnik investieren, um die steigenden Kundenwünsche im Landmaschinenbau zu bedienen.

Für ihre Pläne benötigen die beiden Mittelständler vor allem eines: frisches Kapital fürs Unternehmen im Millionenbereich. Seit der Einführung von Basel II ist die Kreditvergabe an Mittelständler erheblich erschwert. Während vielerorts darüber gejammert wird, nutzten die Unternehmer in Singwitz und Schleife die Gunst der Stunde und beschäftigten sich mit alternativen Finanzierungsformen.

Michael Bormann von der Sozietät BDP Bormann, Demant & Partner in Dresden sagt: „Die Palette an Finanzierungsmöglichkeiten – bis hin zur Nutzung des internationalen Kapitalmarktes – ist so vielfältig geworden, wie es noch vor einigen Jahren für kleinere Firmen undenkbar war.“ In einigen Fällen sei auch nicht mehr die persönliche Bürgschaft des Unternehmers nötig. Bormann unterstützt die beiden sächsischen Unternehmer bei der Kapitalbeschaffung. Er sieht einige Ansätze, wie Mittelständler ihre Liquidität verbessern können. Dazu zählt Factoring in allen Varianten, etwa Vorfinanzierung des Materials. „Für größere Projekte kann man ein Projektsonderkonto einrichten, das die Bank dann mit Kreditlinien ausstattet.“ Das nutzt vor allem SIT-Chef Gürtler für seine Großaufträge. „Dadurch kommen wir zu einer erheblich besseren Liquidität“, sagt er.

Einer weiteren Finanzierungsmöglichkeit hat die Architektur ihren Namen gegeben: Mezzanine-Kapital. Abgeleitet vom Begriff Zwischengeschoss, beschreibt Mezzanine-Kapital eine Mischform von Eigen- und Fremdkapital. Dem Unternehmen wird neues, wirtschaftliches Eigenkapital zugeführt, ohne dass die Kapitalgeber Einflussrechte haben. Bormann zufolge ist Mezzanine-Kapital „weniger reguliert und eröffnet dem Unternehmen neue Möglichkeiten“. Bormann bringt auch die Möglichkeit einer eigenen Anleihe ins Gespräch.

SIT-Geschäftsführer Gürtler fasst zusammen: „Wir haben frisches Kapital und neue Aufträge durch neue, professionelle Ansätze in der Finanzierung bekommen.“ Reinert stimmt ihm zu: Hundert neue LKW zum Fahren zu bringen, die Fahrer und die Aufträge einen Monat lang vorzufinanzieren, kostet richtig Geld. Durch kreative Finanzierungen konnte er zwei Millionen Euro als Betriebsmittelkredit aufnehmen. Seine neu eingestellten Fahrer freut es. Sie haben einen Job.

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