„Geld ist genug da“
Wenn es um die Finanzierung der Umsetzung einer innovativen Idee geht, setzen deutsche Banken gerne auf Nummer sicher
Von Reinhart Bünger und Regina-C. Henkel in Tagesspiegel, 01.12.2007
„Ohne Moos nichts los“ – dieser Spruch kennzeichnet auch den Start junger Unternehmen. Denn die Entwicklung neuer Produkte setzt zunächst einmal Investitionen voraus. Vor allem kleine Betriebe sind auf fremdes Kapital angewiesen. Im internationalen Vergleich können Gründer bei der Finanzierung ihres Geschäftsvorhabens hierzulande nicht aus dem Vollen schöpfen. Vor allem der Mangel an Risikokapital erweist sich als Innovationsbremse, heißt es in der soeben veröffentlichten Studie „Innovationsindikator Deutschland 2007“, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erarbeitet und vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Telekom Stiftung in Auftrag gegeben wurde.
Insgesamt belegt Deutschland bei den Finanzierungsmöglichkeiten wie im Vorjahr einen mäßigen zehnten Platz (siehe nebenstehende Grafik). Gegenüber 2006 hat sich vor allem Schweden deutlich von Rang acht auf den Spitzenplatz verbessert – besonders wegen einer guten Risikokapital-Ausstattung.
Unternehmen wie die Landesbank Berlin, die Technologie Stiftung Brandenburg, die Röverbrönner KG oder auch Bormann Demant & Partner kennen diese schwierige Ausgangslage. Doch die Kassen der Investitionsbanken sind nicht so prall gefüllt wie in anderen Bundesländern. Indes wissen die Verantwortlichen, dass Erfindergeist und Innovationskraft mit zusätzlichem Know-how in Betriebswirtschaft, mit Kontakten und meist auch mit Krediten unterstützt werden müssen. Gemeinsam mit gut zwei Dutzend anderen Unternehmen engagieren sie sich zum Teil schon seit vielen Jahren für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg. Die Organisatoren sind neben der Berlin Partner GmbH, die ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg und die Agentur Golz+Friends GmbH.
„Sachsen ist das Förderland Nummer Eins, Bayern das Förderland Nummer Zwei“, sagt Steuerberater Michael Bormann (Bormann Demant & Partner), „aber die Region Berlin/Brandenburg steht in dieser Hinsicht sicher besser da als das Saarland, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.“ Bormanns Berliner Sozietät wurde vor 15 Jahren gegründet und hat sich auf die Entwicklung innovativer Finanzierungslösungen für Hightech-Unternehmen und Mittelständler konzentriert, Es wäre wünschenswert, findet Bormann, dass es in Berlin und in Brandenburg mehr offensive seriöse Kapitalanbieter gäbe als bisher. Zudem mangele es an Beratungsinstituten, die die weitere Entwicklung eines Unternehmens nach dessen Gründung begleiten können. Als Lobbyist für Innovationsinitiativen und als „Kapital Scout“ kennt Bormann die Institutionen in der Region und darüber hinaus, die pfiffigen Kleinunternehmern oder aufgeweckten Mitarbeitern mittelständischer Unternehmen bei innovativen Vorhaben mit Rat und Tat unter die Arme greifen. Die Technologiestiftung Berlin (TSB) etwa konzentriert sich auf die Kompetenzfelder Biotechnologie, Medizintechnik und Verkehrssystemtechnik. Angeboten werden Beratung bei Innovations- und Technologiefragen wie auch Netzwerkarbeit für Verbünde zwischen anwendungsorientierter Wissenschaft und Wirtschaft. Es werden aber auch wissenschaftsbasierte, innovative Einzelvorhaben unterstützt. Die TSB tut dies in Abstimmung mit den so genannten „Quadriga-Partnern“. Die Bezeichnung Quadriga geht auf eine Empfehlung der Enquête-Kommission des Berliner Abgeordnetenhauses zurück. Danach wurden für die Berliner Innovationspolitik und Wirtschaftsförderung übergreifende Ziel- und Masterpläne festgelegt. Beteiligt sind neben der TSB die Berlin Partner GmbH, die Investitionsbank Berlin (IBB), die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sowie der Senat von Berlin mit insgesamt drei Senatsverwaltungen. Alle Partner zusammen arbeiten daran, dass sich die Hauptstadtregion in den Clustern Gesundheitswirtschaft, Kommunikations-, Medien- und Kulturwirtschaft sowie Verkehrswirtschaft noch besser entwickeln kann – und verstehen sich als Ansprechpartner für Unternehmer mit innovativen Ideen. Und zwar auch über die Landesgrenzen hinweg. In punkto Innovationsförderung sind sich Berliner und Brandenburger Einrichtungen und Institutionen weitestgehend einig, dass gemeinsame Strategien verfolgt werden müssen. Brandenburg beispielsweise begrüßt die Besucher seines Landesportals ganz innovations-offensiv mit „Offen für Macher und Gründer“. Dass Kontakte vermittelt werden zu branchen- oder berufsspezifischen Einrichtungen, verstehen die Potsdamer mit ihrer Investitionsbank des Landes Brandenburg als Selbstverständlichkeit. In Berlin ist das nicht anders, wo die Berlin Partner GmbH weitestgehend diese Aufgaben übernimmt.
„Geld ist genug da“, bilanziert Bormann. Doch auch die Jungunternehmer und Gründer müssten ihren Beitrag leisten und zunächst einen Businessplan aufstellen: „Sie dürfen sich nicht in eine Idee verrennen ohne eine Finanzierung zu haben. Das machen aber viele.“
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonderthemen;art893,2430587