Monaco: Steueroase light an der Cote d’Azur
Von Sebastian Wolff, in: Berliner Zeitung, 27.02.2008
BERLIN. Kanzlerin Angela Merkel empfängt heute fürstlichen Besuch: Albert II. von Monaco hat sich zum Staatsbesuch angekündigt. Neben dem Austausch von Nettigkeiten werden sich die beiden auch über ein brisantes Thema unterhalten: Es geht um die Rolle Monacos als Steueroase. Denn im Zuge der Liechtensteiner Steueraffäre hat die Kanzlerin zum Kreuzzug gegen steuerflüchtige Bundesbürger geblasen. Dem Vernehmen nach will sie die Gelegenheit nutzen, um das Fürstentum zu mehr Transparenz im Kampf gegen Steuerhinterziehung aufzufordern. Albert II. werde sich auf "deutliche Worte" Merkels gefasst machen müssen, kündigte ein Regierungssprecher an.
Boris Becker nutzte Vorteile
Tatsächlich hat der Zwergstaat Monaco, einst Wohnsitz hochbezahlter Sport-Stars wie den Formel-1-Brüdern Michael und Ralf Schumacher sowie der Tennis-Legende Boris Becker, einiges von seiner Eigenschaft als Steuerparadies verloren. Denn das Fürstentum ist der EU-Zinsrichtlinie beigetreten. Damit werden jetzt 15 Prozent der Zinserträge ausländischer Anleger einbehalten und an das Finanzamt in seinem Heimatstaat überwiesen, sagt der Berliner Steuerexperte Michael Bormann. Von Juli an steigt der Steuersatz auf 20 Prozent, ab 2011 dann sogar auf 35 Prozent. "Wer heute seinen Wohnsitz nach Monaco verlegt, sollte dort wirklich leben wollen", sagt Bormann. "Sonst lohnt sich das nicht."
Bis 2011 allerdings fahren Steuerflüchtlinge in Monaco weiter besser als in Deutschland, wo Zinserträge bis zum Jahresende mit dem individuellen Einkommensteuersatz besteuert werden - im Höchstfall 45 Prozent, und ab 2009 pauschal mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. "Legal handeln Anleger nur, wenn sie die Differenz in Deutschland nachbesteuern", so Bormann.
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/tagesthema/728775.html