Sanierungsspezialist: Firmen sollten alle Liquiditätsreserven nutzen

Interview mit Dr. Michael Bormann

Weser Kurier, 25. Oktober 2009

Beim Unternehmerforum zum Thema „Unternehmensführung in Krisenzeiten“ der Kreissparkasse Verden ist neben Sparkassen-Vorstand Klaus Brandis und dem Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, auch der Berliner Sanierungsspezialist und Steuerberater Michael Bormann von der bdp Venturis Management Consultants eingeladen.

____In Zeiten der Finanzmarktkrise haben es mittelständische Unternehmer besonders schwer, ihre Liquidität zu sichern oder gar frisches Kapital, etwa für Innovationen oder Wachstum, zu akquirieren. Was kann dagegen getan werden?

Michael Bormann: Unternehmen sollten das Thema Liquiditätsmanagement an die erste Stelle ihrer strategischen Überlegungen stellen. Gerade in der heutigen Zeit haben sich Frühwarnsysteme für Unternehmenskrisen bewährt.

____Wie sieht ein solches Frühwarnsystem aus?

Es gilt eine eiserne Regel: Zahlungsfähig ist nur der, der innerhalb von drei Wochen mindestens 90 Prozent der Verbindlichkeiten zahlen kann. Alles danach sind ernsthafte Anzeichen einer Krise. Dann gilt: Wie mache ich das Schiff sturmfest und wie gelange ich danach in ruhiges Fahrwasser?

____Was führt aus der Kreditklemme?

Neben einer topaktuellen Buchhaltung sollte man alle Liquiditätsreserven im Unternehmen nutzen. Die können darin bestehen, dass offene Forderungen per Factoring gemanagt werden. Das heißt, die Forderungen werden an ein Institut verkauft, man erhält sofort 80 Prozent der Forderungssumme. Das schafft finanziellen Spielraum. Auch der Einkauf von Waren und Vorprodukten kann auf diese Art finanziert werden. Das nennt man dann Fine-Trading. Zum anderen sind die Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung auch eine Möglichkeit, an frisches Kapital zu kommen. Diese Mittel in Höhe von 40 Milliarden Euro werden von der bundeseigenen KfW ausgereicht.

____Viele Unternehmer klagen darüber, dass es schwierig ist, an diese Mittel zu kommen, weil die Anträge nur über die Hausbank gestellt werden können.

Gerade die regionalen Förderbanken, die regionalen Sparkassen und auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind bestrebt, die Mittel aus dem Konjunkturpaket schnell an den Mittelstand weiterzureichen. Dazu muss eine offene und transparente Kommunikation mit den Kreditinstituten herrschen. Bankenrunden sollten auch extern moderiert werden, denn oftmals unterhält der Unternehmer Geschäftsbeziehungen zu mehreren Banken. Wir selbst haben viele Bankenrunden in Norddeutschland erfolgreich moderiert, bei denen am Ende genügend frisches Kapital stand, um das Unternehmen zu sanieren oder auf Wachstumskurs zu führen.

Quelle: Weser-Kurier / Bremer Nachrichten / Verdener Nachrichten