Fünf Jahre vor dem Ruhestand sollten die Themen Unternehmensnachfolge und damit auch Unternehmensbewertung angegangen werden. Wir erläutern das optimale Vorgehen.

Mindestens ein Mal in seinem Leben steht jeder Unternehmer vor der Frage, was sein Unternehmen wert ist, nämlich dann, wenn er seine unternehmerische Tätigkeit beenden und das Unternehmen veräußern möchte.

Dass er dann in aller Regel seinem Unternehmen einen höheren Wert beimisst als ein potenzieller Erwerber, liegt in der Natur der Sache. Nicht selten aber führen weit auseinanderliegende Wertvorstellungen zum Scheitern einer Unternehmensübergabe.

bdp empfiehlt daher, sich bereits bei den ersten Überlegungen zu einer Nachfolgeregelung auch mit dem Thema Unternehmenswert auseinanderzusetzen. Und dieser Zeitpunkt sollte mindestens fünf Jahre vor dem Wunschtermin für den Eintritt in den Ruhestand liegen! Dieser Vorlauf ermöglicht, neue Gestaltungsspielräume zu schaffen und auch zu nutzen. Im Idealfall können mehrere Alternativen für die Unternehmensübergabe erschlossen werden, was allein schon zu einer Wertsteigerung beiträgt.

Welche Verfahren zur Unternehmensbewertung gibt es?

Für die Berechnung des Unternehmenswertes gibt es eine Vielzahl von Verfahren. So unterschiedlich deren Methoden auch sein mögen, sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Relevant für den Unternehmenswert sind allein die zukünftigen Erträge!

Um einen Unternehmenswert überhaupt berechnen zu können, muss notwendigerweise eine Unternehmensplanung vorhanden sein. Die Entwicklung einer Unternehmensplanung ist gleichermaßen die erste Maßnahme, um den Unternehmenswert zu steigern oder wenigstens zu erhalten.

Unternehmensplanung nach unserem Verständnis besteht aus

  • einer Analyse der aktuellen Situation,
  • der Festlegung von Zielen sowie
  • der Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele.

Nicht wenige Unternehmer haben ihren „Plan“ vage im Kopf. Er muss aber unbedingt fixiert und in konkrete Zahlen übersetzt werden.

Für diese Aufgabe muss Unterstützung her: Helfen kann der langjährige Steuerberater, am besten aber ein Berater mit langjähriger Erfahrung in der Unternehmensbewertung, der Konzeption und der Umsetzung von Unternehmensnachfolgen – wie z. B. bdp.

Das bdp-Tool zur Unternehmensbwertung

Wir verwenden intern ein mehrsprachiges Tool, das die Bewertung nach den verschiedenen Verfahren auf der Basis einer integrierten Planung ermöglicht und eine Vielzahl von Auswertungsmöglichkeiten enthält.

Wie aber berechnet sich nun der Unternehmenswert?

Verführend einfach ist immer das Multiplikatorverfahren: Umsatz oder EBIT werden mit öffentlich verfügbaren Multiplikatoren (z. B. www.finance-magazin.de/research/multiples) multipliziert. Nach der Subtraktion der aktuellen Nettofinanzverbindlichkeiten erhält man den Marktwert des Eigenkapitals. Je nach Branche bewegen sich die EBIT-Multiplikatoren für Unternehmen bis 50 Mio. Euro Umsatz (= Small-Cap) zwischen derzeit 5,5 und 10,5 – die Umsatzmultiplikatoren zwischen 0,5 und 2,0.

Beispielrechnung

Nehmen wir ein Beispiel aus der Branche Handel und E-Commerce: Die aktuellen Umsatz-Multiples betragen 0,60 bis 0,90 (Small-Cap, Stand März/April 2018).

Der letzte Jahresumsatz unseres Beispielunternehmens beträgt 1 Mio. Euro, was auch dem Durchschnitt der letzten drei Jahre sowie der Prognose für die nächsten drei Jahre entspricht. Das Unternehmen verfügt aktuell über liquide Mittel von 20.000 Euro und Finanzverbindlichkeiten von 200.000 Euro.

Es ergibt sich die folgende Bandbreite von Unternehmenswerten:

Untergrenze:

            0,6 x 1.000.000
-           (200.000 - 20.000)
=          420.000 Euro

Obergrenze:

            0,9 x 1.000.000
-           (200.000 - 20.000)
=          720.000 Euro

Der Mittelwert liegt dann 570.000 Euro.

Aber welcher Wert kommt nun dem Marktwert des Unternehmens am nächsten?

Die Multiplikatoren beruhen empirisch auf tatsächlichen Transaktionen. Aber sind sie auf das eigene Unternehmen mit 1 Mio. Euro Umsatz anwendbar, wenn die Bandbreite des Umsatzes für Small-Cap-Unternehmen bis EUR 50 Mio. reicht? Für Unternehmen mit Umsätzen zwischen 1 Mio. und 10 Mio. Euro werden selbst die Untergrenzen noch zu einer Überbewertung führen!

Die Multiplikatormethode gibt daher erste Anhaltspunkte oder dient dem Vergleich mit nach anderen Verfahren berechneten Werten. Sie gewinnt an Bedeutung für mittelgroße Unternehmen, deren Größenklasse in den veröffentlichten Multiplikatoren deutlich stärker vertreten ist.

Schon etwas komplexer ist die Nutzung von Internetangeboten wie www.unternehmenswertrechner.de oder www.unternehmensbewertungen.info/ertragswert-verfahren/. Hier sind dann schon tiefer gehende Kenntnisse gefordert, um zu einem Wert zu kommen. Ob dieser Wert dann auch für Dritte nachvollziehbar ist, muss unbedingt mit einem Fragezeichen versehen werden. Aber probieren Sie es bitte aus.

In Teil 2 möchten wir Ihnen zeigen, wovon der Unternehmenswert bei den üblichen finanzmathematischen Bewertungsverfahren wesentlich beeinflusst wird.