Bei Chinageschäften sind genaue Kenntnisse des Steuersystems und praktische Erfahrung mit der Steuererhebung unerlässlich. Wir stellen die wichtigsten Steuern und steuerlichen Rahmenbedingungen vor.

Bei Investitionen und Geschäften mit und in China besteht sehr oft das Problem, dass die beteiligten Finanzmanager nur unzureichende praktische Erfahrung in der internationalen Steuererhebung haben. Problematisch sind insbesondere grenzüberschreitende Zahlungsflüsse von China nach Deutschland. 

Um nämlich einen reibungslosen Ablauf bei der Aus- und Rückzahlung von Darlehen, Dividenden, Gebühren oder Ausschüttungen sowie Abrechnung der erbrachten Leistungen sicherzustellen, müssen die entsprechenden Transaktionen vertraglich und rechtlich angemessen gestaltet und im Voraus von den chinesischen Behörden genehmigt werden. Dazu muss sich der deutsche Investor jedoch mit den Steuerarten in China befassen. Wir stellen in dieser und der nächsten Ausgabe von bdp aktuell die wichtigsten Steuern und steuerlichen Rahmenbedingungen in China vor.

Körperschaftssteuer (corporate income tax: CIT, enterprise income tax: EIT)

  • Der Körperschaftssteuersatz für in China ansässige Unternehmen sowie für Betriebsstätten* beträgt 25 %. Um Unternehmen zu fördern und zu motivieren, wurden in China zahlreiche Richtlinien für ermäßigte Körperschaftssteuersätze herausgegeben. Natürlich müssen die Unternehmen dafür die Anforderungen dieser Präferenzpolitik erfüllen. 
  • Für nicht in China ansässige Unternehmen gilt ein Körperschaftssteuersatz von 20 %, welcher jedoch durch Präferenzpolitik auf 10 % (für aus China stammende Einkünfte) reduziert wird.

Ermäßigter CIT-Satz für in China ansässige Unternehmen:

  • Für High-/New-Tech-Unternehmen: 15 %
  • Für „small profit“-Unternehmen: Kleine Unternehmen mit niedrigem Gewinn, einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von weniger als 1 Million RMB und zwischen 1 Million RMB und 3 Millionen RMB sind berechtigt, ihre Steuer auf der Grundlage von jeweils nur 25 % beziehungsweise 50 % ihres steuerpflichtigen Einkommens mit einem Vorzugskörperschaftssteuersatz von 20 % berechnen zu lassen. Diese Regelung gilt vorerst bis 31. Dezember 2021.
  • Für Unternehmen in den geförderten Bereichen im Westen Chinas: 15 %
  • Für fortschrittliche Technologiedienstleistungsunternehmen: 15 %
  • Für geförderte Unternehmen, die in der Hengqin New Area in der Provinz Guangdong, in der Pingtan Comprehensive Experimental Area in der Provinz Fujian und in der Qianhai Shenzhen-Hong Kong Modern Service Industry Cooperation Zone in Shenzhen City Qianhai gegründet wurden: 15%
  • Für Drittunternehmen, die sich mit der Verhütung und Kontrolle von Umweltverschmutzung befassen: 15 %. Diese Verordnung gilt vom 01. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021.
  • Für geförderte Industrieunternehmen, die im Freihandelshafen von Hainan registriert sind und substanziell tätig (substantive business activities) sind: 15 %.
  • Für Unternehmen für integriertes Schaltungsdesign: 15 %
  • Für Key Software Enterprises und Integrated Circuit Design Enterprises: 10 %

* Betriebsstätte: 

Eine feste Geschäftsstelle, über die die Geschäfte eines Unternehmens ganz oder teilweise abgewickelt werden.
Nach den Regelungen des DBA (Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und China) zu Betriebsstätten: 
Setzt ein deutsches Unternehmen seine Mitarbeiter oder andere von ihm beauftragte Personen für Dienstleistungen, einschließlich Beratung, oder für mehrere miteinander verbundene Projekte in China ein, können nur solche Dienstleistungen einer Betriebsstätte zugeordnet werden, die für einen zusammenhängenden Zeitraum oder für Gesamtzeiträume von mehr als 183 Tagen innerhalb von 12 Monaten erbracht werden. 

Umsatzsteuer (VAT)

  • Auf den Verkauf von Waren oder die Erbringung von Verarbeitungen, Reparatur- und Ersatzleistungen sowie auf eingeführte Waren, die Transportdienstleistungen und sogenannte „moderne“ Dienstleistungen wird Umsatzsteuer erhoben
  • Steuersatz: 13 %, 9 %, 6 %, 3 % und 0 % (abhängig von den Dienstleistungen)
  • Kleine Gewerbe: bezahlen 3 % (sofern nicht anders angegeben).

Besteuerung für allgemeine Steuerzahler (general VAT tax payer)

  • Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen RMB müssen sich als „general VAT tax payer“ bei den chinesischen Steuerbehörden registrieren 
  • Voraussetzung ist allerdings ein solides Buchhaltungssystem und das Vorlegen korrekter Steuerunterlagen
  • Auch Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 5 Millionen RMB können beantragen als Normalsteuerzahler (general taxpayer) eingestuft zu werden (um durch den Vorsteuerabzug die Umsatzsteuerbelastung zu reduzieren). 

Berechnungsmethode:

Umsatzsteuer = Aktuelle Ausgangssteuer - Aktuelle Vorsteuer
Ausgangssteuer = Umsatzvolumen x Umsatzsteuersatz
Umsatzvolumen = Umsatzvolumen einschließlich Steuer / (1 + Umsatzsteuersatz)

Besteuerung für Kleingewerbe (small scale VAT tax payer)

Nicht vorsteuerabzugsberechtigt
Jahresumsatz ≤ 5 Million RMB
Pauschaler Umsatzsteuersatz: 3 %

Berechnungsmethode:

Umsatzsteuer = Umsatzvolumen x Umsatzsteuersatz (3 %)
Umsatzvolumen = Umsatzvolumen einschließlich Steuer / (1 + Umsatzsteuersatz: 3 %)

In der kommenden Ausgabe von bdp aktuell informieren wie über Zusatzsteuern, Stempelsteuer, Umweltschutzsteuer, Zölle, individuelle Einkommenssteuer sowie Verrechnungspreise.