Im zweiten Teil unserer Serie zur Bilanzanalyse erläutern wir gängige Kennzahlen zur Ertragslage von Unternehmen

Die Ertragslage eines Unternehmens wird im Jahresabschluss vor allem durch die Gewinn- und Verlustrechnung (konkretisiert durch Anhangsangaben) dargestellt. Während die Vermögenslage (vgl. bdp aktuell 60) auf die bilanzierten Vermögensgegenstände und Schulden Bezug nimmt, zielt die Jahresabschlussanalyse vor allem darauf ab, die Ertragskraft eines Unternehmens und somit die Fähigkeit in der Zukunft nachhaltig Gewinne erzielen zu können, zu beurteilen.

Wir möchten Ihnen einerseits Einblicke in die sogenannte Erfolgsquellenanalyse geben sowie andererseits auch in die Analyse des Betriebsergebnisses mit der Ergebnisverwendungspolitik und der Darstellung weiterer Rentabilitätskennzahlen.

1. Erfolgsquellenanalyse

Die sogenannte Erfolgsquellenanalyse verfolgt das Ziel, Informationen über voraussichtliche künftige und nachhaltige Aussagen des Unternehmenserfolges zu gewinnen – Sondereffekte wie die einmalige Veräußerung von Anlagevermögen sind hierbei zu eliminieren.

Um die Erfolgsquelle des Unternehmens besser beurteilen zu können, wird die Gewinn- und Verlustrechnung in verschiedene Teile aufgespalten. Hierdurch sind insbesondere beim Mehrjahresvergleich Veränderungen besser darzustellen.

Aufgliederung der Gewinn- und Verlustrechnung

Da in Deutschland die Gewinn- und Verlustrechnung vor allem nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV) aufgestellt wird, erfolgen auch nachfolgend die Aufstellungen nur für das GKV:

  • Gesamtleistung
  • EBITDA
  • EBITA
  • EBIT
  • Jahresergebnis (EAT)

Die Gesamtleistung setzt sich aus den Umsatzerlösen, der Bestandsveränderung, den aktivierten Eigenleistungen sowie den sonstigen betrieblichen Erträgen zusammen. Hieran kann der Jahresabschlussleser erkennen, welche Summe von positiven Erfolgskomponenten vorhanden sind.

Das EBITDA (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization) beinhaltet die Gesamtleistung und stellt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen dar. Es sind also ausgehend vom Jahresergebnis neben der Gesamtleistung nur die Aufwandspositionen Materialaufwand, Personalaufwand sowie die sonstigen betrieblichen Aufwendungen berücksichtigt. Das EBITDA ist eine heute sehr oft verwendete Kennzahl, um unterschiedlich finanzierte Unternehmen vergleichbar zu machen.

Das EBITA (Earnings before Interest, Taxes, Amortization) stellt als Weiterentwicklung das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Geschäfts- und Firmenwertabschreibungen dar. Im Gegensatz zum EBITDA werden hier bereits die laufenden Abschreibungen auf Anlagevermögen mit berücksichtigt.

Das EBIT (Earnings before Interest and Taxes) zeigt das Ergebnis nur vor Steuern und Zinsen. Dies ist eine in der Praxis häufig ebenfalls verwendete Kennzahl, die zum Beispiel bei vielen Kreditverhandlungen herangezogen wird, da sie das eigentliche operative Ergebnis darstellt. Das EBIT wird auch als Betriebsergebnis bezeichnet.

Ergebnis bestimmter Aufwands- und Ertragspositionen

Die Analyse der Ertragskraft lässt dem Jahresabschlussadressaten aber auch einen Blick in bestimmte „Kostenblöcke“ zu.

Das Finanzergebnis kennzeichnet, dass es nicht durch den eigentlichen Unternehmenszweck erzielt wird (mit Ausnahme von Finanzholding-Gesellschaften). Es setzt sich aus Aufwendungen für Zinsen, und Beteiligungen (auch Abschreibungen auf Wertpapiere) o. Ä. zusammen, die mit entsprechenden Erträgen saldiert werden.

Der Finanzergebnisanteil wird wie folgt ermittelt:

Finanzergebnisanteil = (Finanzergebnis : Jahresüberschuss vor Steuern) x 100

Alternativ wird auch isoliert das Zinsergebnis betrachtet. (Saldo aus Zinserträgen und Zinsaufwendungen). Eine in der Praxis oft herangezogene Kennzahl ist die sogenannte Zinsdeckung, die aussagt, wie sensibel das Gesamt- Ergebnis auf Veränderungen der Zinsen reagiert bzw. ob ggf. eine Verbesserung der Kapitalstruktur anzustreben ist.

Zinsdeckung = (Jahresüberschuss : Zinsergebnis) x 100

Im Rahmen des Finanzergebnisses ist exemplarisch die Beteiligungsrendite zu nennen. Sie zeigt den Erfolg, den ein Unternehmen durch eine bestimmte Beteiligung erhalten hat.

Beteiligungsrendite = (Beteiligungsergebnis : (Beteiligungen + Anteile an verb. Unternehmen)) x 100

Im Außerordentlichen Ergebnis werden außerordentliche Aufwendungen mit den außerordentlichen Erträgen – aber auch den in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen bzw. Erträgen enthaltenen untypischen Positionen  – saldiert. Als Beispiel sind hier Kursgewinne oder Kursverluste zu nennen oder einmalige betriebsfremde Geschäfte (z. B. Verzichte von Gesellschaftern oder Kreditgebern.)

2. Analyse des Betriebsergebnisses

Wie erwähnt bezeichnet das Betriebsergebnis das Jahresergebnis vor Zinsen und Steuern.

Die Analyse des Betriebsergebnisses geht detaillierter auf die Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung ein.

Analyse der Umsatzzahlen

Die Umsatzanalyse beinhaltet verschiedene Möglichkeiten bzw. Ansätze. Sie wird gesetzlich durch die Anhangangabe nach § 285 Nr. 4 HGB gefordert. Demnach sind die Umsätze nach „Tätigkeitsbereichen“ sowie nach „geographisch bestimmten Märkten“ aufzugliedern.(z. B. auch nach Produkten oder Sparten).

Im Zuge der Analyse der Umsatzzahlen ist die Umsatzrentabilität zu nennen. Die Umsatzrentabilität, die auch Umsatzrendite genannt wird, stellt den auf den Umsatz bezogenen Gewinnanteil dar. Diese Kennzahl lässt also erkennen, wie viel das Unternehmen in Bezug auf 1 Euro Umsatz verdient hat. Eine Umsatzrendite von 10% bedeutet, dass mit jedem umgesetzten Euro ein Gewinn von 10 Cent erwirtschaftet wurde.

Umsatzrentabilität = (Jahresergebnis : Umsatzerlöse) x 100

Gerade diese Kennzahlen variieren allerdings je nach Branche und Tätigkeitsfeld stark. Handelsunternehmen, die relativ große Umsätze haben, haben daher oft eine geringe Umsatzrendite.

Analyse von Intensitätskennzahlen

Einen besonderen Eindruck von bestimmten Kostenpositionen erhält man , wenn sogenannte Intensitätskennzahlen herangezogen werden. Hier wird ein Anteil am Betriebsergebnis ausgewiesen. Mit Hilfe der Intensitätskennzahlen kann einer negativen Entwicklung entgegengesteuert werden.

Die Materialkostenquote stellt den Anteil der Materialkosten an der Gesamtleistung dar. Diese hat eher bei produzierenden Unternehmen oder Handelsunternehmen Relevanz, weniger bei Dienstleistern.

Eine Veränderung der Materialkostenquote zum Vorjahr kann hierbei die unterschiedlichsten Gründe haben, wie zum Beispiel:

  • Erschließung neuer Märkte mit anderen Gewinnmargen
  • Preisveränderungen auf dem Beschaffungsmarkt
  • Optimierung im Produktionsablauf und somit weniger „Verluste“

Materialkostenquote = (Materialaufwand : Gesamtleistung) x 100

Die Personalkostenquote hat in produzierenden und vor allem auch bei Dienstleistungsunternehmen hohe Bedeutung. Denn gerade bei den Personalkosten wurde in den vergangenen Jahren (nicht immer begründet) vielfach versucht, die Kosten kurzfristig zu optimieren. Die Ermittlung der Personalkostenquote erfolgt entsprechend der Berechnung der Materialaufwandsquote.

In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen finden sich diverse Einzel-Aufwandspositionen wieder. Veränderungen müssen aber im Einzelfall analysiert werden. Die Ermittlung der Quote des sonstigen betrieblichen Aufwands erfolgt analog der Berechnung der Materialaufwandsquote.

Ergebnisverwendungspolitik

Der Unternehmer hat verschiedene Möglichkeiten die Verwendung des Unternehmenserfolgs zu gestalten. Hierbei handelt es sich allerdings um bilanzpolitische Maßnahmen, die das Eigenkapital des Unternehmens betreffen.

Die Möglichkeiten des Unternehmers stellen sich wie folgt dar:

  • Ausschüttung des Jahresergebnisses/Bilanzgewinns
  • Bildung oder Auflösung offener Rücklagen (Veränderung des Eigenkapitals)
  • Bildung oder Auflösung stiller Rücklagen

Fortsetzung folgt.