Um Investoren zu einem langfristigen Engagement zu ermutigen, baut die chinesische Regierung ein modernes, mehrstufiges Förderinstrument für Reinvestitionen auf.

Shenyang: Am 28. Oktober 2025 fand in Shengyang der Chinese Tax & Finance Workshop mit bdp und der German Chamber of Commerce in China, bei Würth Group Arnold Fasteners Co., Ltd. statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen u. a. die neuesten steuerlichen Fördermaßnahmen der chinesischen Regierung zur Stärkung von Reinvestitionen ausländischer Unternehmen, darunter insbesondere die neue Tax-Credit-Policy 2025. 

Im Rahmen des Workshops gaben Dr. Michael Bormann, CEO und Steuerberater der bdp Gruppe, und CICPA Jennifer LV, Partnerin bei bdp China, einen fundierten Einblick in die strukturellen Veränderungen des chinesischen Steuerumfeldes. 

Hintergrund: Warum China steuerliche Anreize für Reinvestitionen setzt 

Chinas Markt bleibt für internationale Unternehmen attraktiv: Eine umfassende industrielle Wertschöpfungskette, ein großer Binnenmarkt und ein zunehmend digitalisiertes Verwaltungswesen bilden die Basis für langfristiges Wachstum. 

Um diese Entwicklung weiter zu stärken und Investoren zu einem langfristigen Engagement zu ermutigen, verfolgt die Regierung das Ziel, ein modernes, mehrstufiges Förderinstrument für Reinvestitionen zu etablieren. Die Tax-Credit-Policy ist hierfür ein entscheidender Baustein. 

Die neue Tax-Credit-Policy 2025: Kernpunkte der Reform 

Mit Wirkung vom 01. Januar 2025 bis 31. Dezember 2028 führt China erstmals einen steuerlichen Abzug für reinvestierte Gewinne ein. Dieser ergänzt die bestehende Steuerstundung aus dem Jahr 2018 und schafft einen kombinierten Anreizmechanismus aus Liquiditätsvorteil und steuerlicher Vergütung. 

1. Steuerlicher Vorteil: 10 % Tax Credit auf Reinvestitionen 

Ausländische Investoren, die ausgeschüttete Gewinne im Land reinvestieren, erhalten einen Steuerabzug von 10 % des Investitionsbetrags anrechenbar auf die jährliche Körperschaftssteuer mit Übertragungsmöglichkeit in Folgejahre, fall die Anrechnung im aktuellen Jahr nicht vollständig möglich ist. Als begünstigte Reinvestition gilt auch die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftermitteln, also die Umbuchung von Kapitalrücklagen in Stammkapital.

2. Begünstigte Einkünfte 

Der Steuergutschrift unterliegen insbesondere Dividenden, Zinsen, Lizenzgebühren und sonstige steuerpflichtige Einkünfte der Muttergesellschaft aus dem chinesischen Tochterunternehmen. Dadurch entsteht nicht nur für klassische Gewinnausschüttungen, sondern auch für laufende konzerninterne Vergütungsströme ein finanzieller Anreiz zu Reinvestition. 

3. Voraussetzungen und Bedingungen: Wer den Bonus wie erhält 

  • Reinvestitionsquelle: Gewinne müssen aus den Gewinnrücklagen inländischer Unternehmen stammen. Das sind dann in diesem Fall die Tochterunternehmen deutscher Unternehmen.
  • Investitionsformen: Kapitalerhöhungen oder Einlagen in bestehende chinesische Unternehmen, Gründung eines neuen Unternehmens in China und Erwerb von Anteilen eines nicht verbundenen inländischen Unternehmens sind zulässig. 
  • Brancheneinschränkung: Die Investition muss in einem Sektor erfolgen, der im „Catalogue of Industrie Encouraging Foreign Investment“ gelistet ist. 
  • Haltefrist: Die Investition muss mindestens 5 Jahre gehalten werden. 
  • Direkte Zahlungswege: Der Transfer muss ohne Zwischenkonten direkt vom Ausschüttenden Unternehmen zum Investitionsziel erfolgen. 

Warum die Reform für internationale Unternehmen relevant ist 

  • Planbarkeit für internationale Investoren: Der klar definierte Zeitraum von 2025 bis 2028 ermöglicht ein klares strategisches Entscheidungsfenster für grenzübergreifende Investitionsprojekte 
  • Unterstützung von Hightech, Green-Tech- und Schlüsselindustrien: Durch die Brancheneinschränkung lenkt die Regierung gezielt Kapital in wichtige Wachstumssektoren. 
  • Verbesserung der Kapitalstruktur Chinas: Reinvestierte Gewinne stärken Tochterunternehmen, ohne dass zusätzliche Liquidität aus dem Ausland eingebracht werden muss. 
  • Stärkung der langfristigen Präsenz ausländische Unternehmen: Die verpflichtende Haltefrist fördert nachhaltiges Engagement und reduziert kurzfristige Arbitrage. 

Was Unternehmen jetzt tun sollten 

Für international tätige Unternehmen, insbesondere jene mit bestehenden chinesischen Tochtergesellschaften, lohnt es sich, die folgenden Schritte zu prüfen: 

  • Analyse der bestehenden Gewinnreserven und möglicher Reinvestitionsstrategien 
  • Überprüfung der Branchenzuordnung und Abgleich mit dem „Catalogue of Industrie Encouraging Foreign Investment“ 
  • Szenarienvergleich (Reinvestition vs. Ausschüttung vs. externe Finanzierung) 
  • Aufbau eines steuerlich konformen Zahlungsprozesses für einen direkten Transfer 
  • Dokumentationskonzepte für Haltefristen und Tax-Credit-Nutzung 

Fazit 

Die neue Tax-Credit-Policy 2025 markiert einen wichtigen Schritt innerhalb Chinas langfristiger Strategie zur Stärkung ausländischer Direktinvestitionen. Unternehmen profitieren von einer spürbaren steuerlichen Entlastung, vorausgesetzt diese entsprechen den offiziellen Kriterien. 

Fest steht, China bleibt ein Schlüsselmarkt, und die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen schaffen zusätzliche Anreize für ein langfristiges Commitment.