Wir vergleichen im Folgenden die Systeme der Rechnungslegung in China und Deutschland eingehend, um ihre Struktur, deren wirtschaftliche Implikationen sowie die praktischen Herausforderungen präzise einschätzen zu können.

In Zeiten globaler Wertschöpfungsnetzwerke gewinnt die zuverlässige Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen und Buchhaltung grenzüberschreitender Unternehmensgruppen zunehmend an Bedeutung. Speziell für deutsche Mandanten mit Aktivitäten in der Volksrepublik China, ist ein tiefgreifendes Verständnis der unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards eine Grundvoraussetzung für die Effektivität von Steuerplanung, Risikomanagement und Corporate Reporting. 

Wir beleuchten im Folgenden beide Systeme eingehend, um ihre Struktur, wirtschaftlichen Implikationen und praktischen Herausforderungen präzise einschätzen zu können. 

Grundstruktur und regulatorischer Rahmen

In China bilden die „Accounting Standards for Business Enterprises (ASBE)“, oft synonym „China Accounting Standards (CAS)“ genannt, den Kern des nationalen Rechnungslegungssystems. Sie sind seit 2006 systematisch an internationale Praktiken angelehnt, ohne die Besonderheiten des chinesischen Wirtschafts- und Regulierungssystems dabei aufzugeben. Der Sammelbegriff „Generally accepted accounting Principles” (China GAAP) umfasst ergänzend noch weitere gesetzliche und administrative Vorschriften wie das „Accounting Law of the People‘s Republic of China” und die „Regulations on Financial Accounting Reports of Enterprises”.

Demgegenüber basiert die deutsche Rechnungslegung primär auf dem Handelsgesetzbuch (HGB) für gesetzliche Jahresabschlüsse. Darüber hinaus sind kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtet, Konzernabschlüsse nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu erstellen. Die HGB-Regelungen sind stärker konservativ geprägt und dienen neben der Informationsfunktion vor allem dem Gläubigerschutz und der steuerlichen Bemessungsgrundlage.

Wesentliche Unterschiede in der Bilanzierungspraxis

Obwohl CAS und HGB in vielen Punkten konservative Elemente teilen, ergeben sich in der praktischen Anwendung deutliche Unterschiede:

Bewertung und Bilanzierung von Vermögenswerten

CAS und HGB basieren überwiegend auf historischen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten. Weitergehend erlaubt CAS nur in bestimmten, klar definierten Bereichen, die aus dem IFRS bekannten, Fair-Value-Ansätze.

Umsatzrealisierung und Vertragsansätze

Während CAS und IFRS beide moderne Konzepte der Umsatzrealisierung verfolgen, wird die praktische Umsetzung in China oft stärker durch Steuervorschriften beeinflusst. Deutschlands HGB hingegen knüpft die Umsatzrealisierung eng an Realisations- und Vollendungsprinzipien. 

Leasing

CAS nähert sich in diesem Bereich der wirtschaftlichen Betrachtungsweise der IFRS an, die sowohl Vermögenswerte aus Nutzungsrechten als auch entsprechende Leasingverbindlichkeiten bilanziert. 

Darstellung von Aufwendungen

In China wird die GuV i. d. R. nach dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt. Bestandsveränderungen werden nicht separat ausgewiesen, sondern implizit über die Umsatzkosten berücksichtigt. Dies erfordert eine detaillierte Kostenrechnung.

Aufwendungen werden hierbei funktional gegliedert (z.B. Umsatz-, Verwaltungs- und Vertriebsaufwendungen). Dieser Unterschied zu dem in Deutschland üblichen Gesamtkostenverfahren beeinflusst die Vergleichbarkeit von GuV-Strukturen erheblich.

Kontoverrechnungsmethode

Ein charakteristisches Merkmal der chinesischen Buchhaltung ist die Kontoverrechnungsmethode. Dabei werden Kosten- und Erfolgskonten monatlich abgeschlossen und auf ein Abschlusskonto übertragen, sodass die Einzelkonten regelmäßig Nullsalden aufweisen. Dieses Vorgehen unterscheidet sich deutlich vom in Deutschland üblichen Abschlussausgleichsverfahren.

Jahresabschluss

Während die chinesischen Rechnungslegungsstandards vorschreiben, dass ein Jahresabschluss eines Unternehmens Bilanz, GuV, Kapitalflussrechnung, ergänzende Zeitpläne, Vermögensübersicht und Anhang (Notes) enthalten muss, ist dies im deutschen HGB etwas aufwandsärmer geregelt. Während Bilanz und GuV zu jedem Jahresabschluss dazu gehören, sind Anhang und Lageberichti. d. R. nur ab bestimmten Größenordnungen und Unternehmensformen vorgeschrieben. 

Praktische Herausforderungen in der Umsetzung

Für deutsche Steuerberater und Mandanten entstehen bei grenzüberschreitenden Abschlüssen insbesondere folgende Herausforderungen:

  • Konversion bzw. Mapping zwischen Standards: Die Umrechnung chinesischer Abschlüsse auf HGB- oder IFRS-Basis erfordert ein detailliertes Mapping der Konten, Bewertungsansätze und Offenlegungen. Dies erfolgt häufig manuell und erfordert tiefe Kenntnisse beider Regelwerke.
  • Regulatorische Anforderungen: In China führt die Kombination aus nationaler Finanzberichterstattung, behördlichen Meldepflichten und monatlichen Steuererklärungen zu einer Vielzahl paralleler Anforderungen, die in Deutschland so nicht existieren. Daten und Belege müssen den chinesischen Behörden jederzeit zur Verfügung stehen. 
  • Kulturelle Interpretation: Unterschiede im wirtschaftlichen Denken und in regulatorischen Erwartungen können zu Divergenzen in der Abschlussaufstellung und -interpretation führen. Dies betrifft nicht nur Zahlen, sondern auch zugrunde liegende Dokumentations- und Begründungsprozesse. 

Ausblick und Handlungsempfehlungen

Die Annäherung zwischen CAS und IFRS schreitet stetig voran, während nationale Besonderheiten weiterhin bestehen bleiben. Für internationale Mandanten empfiehlt sich ein dualer Reporting-Ansatz, bei dem lokale CAS-Abschlüsse systematisch für HGB-/IFRS-Reporting adaptiert werden. Der Einsatz standardisierter IT-Mapping-Tools, die Schulung lokaler Teams auf internationale Standards sowie die Einbindung erfahrener Accounting-Advisory-Experten sind hierfür entscheidende Erfolgsfaktoren.  

Ferner sollten Steuerberater nicht nur die technischen Aspekte der Rechnungslegung beherrschen, sondern auch deren wirtschaftliche Wirkung im Blick behalten bspw. wie unterschiedliche Bewertungsansätze das Ergebnis, die Steuerlast oder die Ausschüttungsspielräume beeinflussen. Nur so kann eine ganzheitliche Beratung gewährleistet werden, die Mandanten nicht nur regelkonform, sondern auch strategisch stärkt.

Accounting Standards sind mehr als regeltechnische Vorschriften: Sie prägen, wie Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage darstellen und wie diese Darstellung von unterschiedlichen Stakeholdern interpretiert wird. Das Zusammenspiel chinesischer und deutscher Rechnungslegungssysteme erfordert fundiertes Fachwissen, kulturelles Verständnis und praxisnahe Lösungen. Mit einem vorausschauenden, integrierten Ansatz können Berater und Unternehmen diese Komplexität in einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verwandeln.

Bei Fragen zu den chinesischen Accounting Standards, Überleitung und Reporting wenden Sie sich jederzeit gerne an das bdp China Desk Team.