Bei chinesisch-deutschen M&A-Projekten bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Chinese Accounting Standards (CAS) und dem deutschen Rechnungslegungs- und Finanzsystem (BWA / HGB).

Bei grenzüberschreitenden M&A-Projekten ist ein gutes Verständnis für die Unterschiede in der Rechnungslegungslogik unterschiedlicher Länder von entscheidender Bedeutung. Insbesondere bei chinesisch-deutschen M&A-Projekten bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Chinese Accounting Standards (CAS) und dem deutschen Rechnungslegungs- und Finanzsystem (BWA / HGB) hinsichtlich Struktur, Zielsetzung und Darstellung finanzieller Informationen. Das Verständnis für diese Unterschiede beeinflusst häufig signifikant die Analyse und Beurteilung des Unternehmenswertes durch die Financial-Due-Diligence-Teams (FDD).

1. Logik chinesischer Finanzberichte

In den Chinese Accounting Standards (CAS) wird besonderer Wert auf eine wahrheitsgetreue und den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens gelegt. Die aufgestellten Finanzberichte umfassen:

  1. Bilanz: Darstellung der Vermögens- und Finanzlage zu einem bestimmten Stichtag (Aktiva, Passiva, Eigenkapital).
  2. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV): Darstellung des wirtschaftlichen Ergebnisses eines bestimmten Zeitraums (Erträge, Aufwendungen, Gewinn bzw. Verlust).
  3. Kapitalflussrechnung: Darstellung der Mittelzuflüsse und Mittelabflüsse innerhalb eines Zeitraums.
  4. Eigenkapitalveränderungsrechnung: Darstellung der Veränderungen des Eigenkapitals.
  5. Anhang: Ergänzende Erläuterungen zu den Bestandteilen des Finanzberichts.

Charakteristisch hierfür sind: 

  • eine nach dem Umsatzkostenverfahren aufgebaute Ergebnisstruktur,
  • eine auf den Nettogewinn ausgerichtete Gewinnlogik,
  • sowie eine Finanzanalyse, die typischerweise entlang der folgenden Struktur erfolgt:

Umsatzerlöse → Bruttoergebnis → Betriebsergebnis → Nettogewinn.

Prüfung

In China richtet sich die Pflicht zur Durchführung einer Jahresabschlussprüfung (JAP) nicht ausschließlich nach der Unternehmensgröße, sondern primär nach der Unternehmensart und den regulatorischen Anforderungen. Prüfungspflichtig sind in der Regel börsennotierte Unternehmen, Finanzinstitute (z.B. Wertpapier- und Terminhandelsgesellschaften), Unternehmen mit bestimmten aufsichtsrechtlich relevanten Sachverhalten - (etwa im Zusammenhang mit Bankfinanzierungen, Gesellschafterdarlehen 〔z.B. Darlehen einer ausländischen Muttergesellschaft an ihre chinesische Tochtergesellschaft〕, Garantie- oder Sicherheitenstellungen, oder wenn die chinesische Tochtergesellschaft Dividenden an die deutsche Muttergesellschaft ausschüttet), bzw. zentrale Staatskonzerne und andere große Unternehmensgruppen.

2. Logik deutscher Finanzberichte

Die deutsche Rechnungslegung nach HGB legt besonderen Wert auf den Schutz der Gläubiger und das Prinzip der kaufmännischen Vorsicht im Sinne einer nachhaltigen und soliden Unternehmensentwicklung. Der aufgestellte Jahresabschluss umfasst:

  1. Bilanz
  2. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
  3. Anhang
  4. Lagebericht

Charakteristisch hierfür sind:

  • Gewinnstruktur nach dem Gesamtkostenverfahren
  • Fokus auf Kostenstruktur und Produktionsleistung
  • Deutsche Abschlüsse folgen typischerweise der Logik: Produktionsleistung → Gesamtkosten → Gewinn

Kapitalflussrechnung

Viele nicht börsennotierte Unternehmen in Deutschland erstellen üblicherweise keine Kapitalflussrechnung.

Ob ein deutsches Unternehmen verpflichtet ist, eine Kapitalflussrechnung zu erstellen, richtet sich im Wesentlichen nach Unternehmensgröße und Börsennotierung gemäß Handelsgesetzbuch (HGB). Grundsätzlich gilt:

Allgemeine Unternehmen (nicht börsennotiert)

Im deutschen Einzelabschluss:

  • Kleine Kapitalgesellschaften:
    Keine Pflicht zur Erstellung einer Kapitalflussrechnung.
  • Kleinstkapitalgesellschaften:
    Ebenfalls keine Pflicht zur Erstellung einer Kapitalflussrechnung.
  • Mittelgroße Kapitalgesellschaften:
    Im Regelfall im Rahmen des Einzelabschlusses ebenfalls nicht verpflichtet, eine Kapitalflussrechnung zu erstellen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)

Deutsche Unternehmen nutzen im operativen Geschäft häufig die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) zur monatlichen Analyse ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, während der formelle Jahresabschluss nach den Vorschriften des HGB erstellt wird. Die BWA ist in Deutschland ein weit verbreitetes Instrument des internen Finanz- und Managementreportings und weist funktional gewisse Parallelen zu den in China verwendeten Management-Reports bzw. periodischen Gewinn- und Verlustrechnungen auf.

Charakteristisch hierfür sind:

  • Die BWA legt den Fokus auf betriebswirtschaftliche Steuerungsperspektiven.
  • Sie wird in der Regel monatlich erstellt und hilft Unternehmern, die wirtschaftliche Lage zeitnah zu überblicken.
  • Erstellt wird sie meist durch Steuerberater oder Buchhaltungssoftware (z.B. DATEV); sie dient unter anderem für Bankfinanzierungen und internes Management.

Prüfung

In Deutschland unterliegen in der Regel nur mittelgroße und große Unternehmen der gesetzlichen Jahresabschlussprüfung (JAP). Nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) besteht für Kapitalgesellschaften eine gesetzliche Prüfungspflicht, wenn sie in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen:

  • Bilanzsumme von mehr als 6 Mio. EUR
  • Umsatzerlöse von mehr als 12 Mio. EUR
  • Durchschnittlich mehr als 50 Arbeitnehmer pro Jahr

3. Vergleich der Logik chinesischer und deutscher Finanzberichte

Dimension Chinesische Finanzberichte Deutsche Finanzberichte 
Zielsetzung Investorenentscheidungen + regulatorische Anforderungen Steuerliche Compliance + Gläubigerschutz
Kernlogik Gewinnorientierung Orientierung an der Kostenstruktur
Klassifizierung der Aufwendungen Gliederung nach Funktionen Gliederung nach Kostenarten
Personalkosten Auf verschiedene Kostenpositionen verteilt Separat ausgewiesen
Gewinnbegriff Umsatzerlöse minus Kosten Ertrag minus Gesamtaufwand
Managementinstrument Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) BWA (Monatliches Management Reporting)
Analysefokus Nettogewinn, ROE (Eigenkapitalrendite) Rohertrag, Kostenstruktur
Management Accounting Weniger ausgeprägt Von hoher Bedeutung

4. Unterschiede in der Kosten- und Aufwandsstruktur zwischen chinesischen und deutschen Finanzberichten

Im Rahmen der Unternehmensanalyse bestehen deutliche Unterschiede zwischen China und Deutschland hinsichtlich der Klassifizierung von Aufwendungen. Diese Unterschiede wirken sich von der Logik her unmittelbar auf die betriebswirtschaftliche Analyse sowie die Financial Due Diligence (FDD) aus.

Während chinesische Unternehmen ihre Aufwendungen in der Regel nach Funktionen bzw. Geschäftsbereichen (Function of Expense) gliedern, orientiert sich das deutsche Rechnungslegungswesen stärker an der Gliederung nach Kostenarten bzw. Aufwandsarten (Nature of Expense).

Chinesisches Finanzberichtssystem (Gliederung nach Funktionen der Aufwendungen)

Chinesische Unternehmen gliedern Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) typischerweise nach betrieblichen Funktionen, beispielsweise:

Chinesische Finanzposition Bedeutung
Vertriebskosten Kosten im Zusammenhang mit Vertriebsaktivitäten
Verwaltungskosten Allgemeine Verwaltungs- und laufende Betriebskosten
Finanzaufwendungen Zinsaufwendungen, Wechselkursgewinne/-verluste etc.
Forschungs- und Entwicklungskosten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

 

Besonderheiten:

  • Erleichtert dem Management die Steuerung einzelner Unternehmensbereiche und Performance-Analysen
  • Ermöglicht eine klare Zuordnung der Kosten nach Funktionsbereichen
  • Besonders geeignet für internes Management und Budgetkontrolle

Deutsches Rechnungslegungssystem (Klassifizierung nach Kostenarten) – Deutsche Unternehmen tendieren in der BWA bzw. in HGB-Abschlüssen eher zu einer Gliederung nach Kosten- bzw. Aufwandsarten, beispielsweise:

Deutsche Finanzposition Bedeutung
Materialaufwand Materialkosten
Personalaufwand Personalkosten
Sonstige betriebliche Aufwendungen Sonstige operative Kosten
Abschreibungen Abschreibungen

 

Merkmale:

  • Ermöglicht eine Analyse der Kostenstruktur eines Unternehmens
  • Wesentliche Kostentreiber lassen sich schnell identifizieren
  • Besonders anschaulich für operatives Management und Kostenkontrolle

5. Vergleich der Gewinn- und Verlustrechnungsstruktur zwischen China und Deutschland

Chinesische GuV-Logik (umsatzorientiert) – Typische Ergebnisstruktur nach dem Umsatzkostenverfahren:

Umsatzerlöse
(−) Umsatzkosten
= Bruttogewinn (Rohertrag)

(−) Steuern und Abgaben
(−) Vertriebskosten
(−) Verwaltungskosten
(−) Forschungs- und Entwicklungskosten
(−) Finanzaufwendungen
= Betriebsergebnis

(±) Außerordentliche Erträge / Aufwendungen
= Ergebnis vor Steuern

(−) Einkommensteuern
= Ergebnis nach Steuer / Nettogewinn

Deutsche GuV-Logik (produktionsorientiert) – Typische Ergebnisstruktur nach dem Gesamtkostenverfahren

Umsatzleistung

(+) Bestandsveränderungen

(+) Sonstige betriebliche Erträge
= Gesamtleistung

(−) Materialaufwand / Wareneinsatz
= Rohertrag

(−) Personalaufwand
(−) Abschreibungen
(−) Sonstige betriebliche Aufwendungen
= Betriebsergebnis

(±) Finanzergebnis
= Jahresüberschuss

6. Unterschiede in der Darstellung der Kostenstruktur zwischen China und Deutschland

Kostenart Erfassung in China Erfassung in Deutschland
Umsatzkosten  Umsatzkosten Wareneinsatz / Kosten der verkauften Waren
Personalkosten Vertriebs-/Verwaltungskosten Personalaufwand
Abschreibungen Verwaltungs-, Vertriebs- oder Herstellungskosten Abschreibungen
Miet- und ähnliche Kosten Verwaltungskosten Sonstige betriebliche Aufwendungen

 

7. Vergleich zentraler Rechnungslegungs-Finanzkennzahlen in China und Deutschland

China

Kennzahl Formel Quelle Bedeutung
Bruttomarge (Umsatzerlöse – Umsatzkosten) ÷ Umsatzerlöse GuV Produktprofitabilität
Nettogewinnmarge Nettogewinn ÷ Umsatzerlöse GuV Gesamtrentabilität des Unternehmens
Operative Marge Betriebsergebnis ÷ Umsatzerlöse GuV Profitabilität des Kerngeschäfts
EBITDA-Marge EBITDA ÷ Umsatzerlöse GuV Operative Ertragskraft
ROE (Eigenkapitalrendite) Nettogewinn ÷ durchschnittliches Eigenkapital GuV + Bilanz Rendite für Anteilseigner
ROA (Gesamtkapitalrendite) Nettogewinn ÷ durchschnittliches Gesamtvermögen GuV + Bilanz Rentabilität des eingesetzten Vermögens
Verschuldungsgrad Gesamtverbindlichkeiten ÷ Gesamtvermögen Bilanz Grad der finanziellen Hebelwirkung
Forderungsumschlag Netto-Kreditumsatz ÷ durchschnittliche Forderungen GuV + Bilanz Effizienz des Forderungsmanagements
Lagerumschlag Umsatzkosten ÷ durchschnittlicher Lagerbestand GuV + Bilanz Effizienz des Bestandsmanagements

 

Deutschland

Kennzahl Formel Bedeutung
Umsatzrentabilität Nettoergebnis ÷ Umsatz Gewinn pro 1 € Umsatz
Rohertragsquote (Umsatz − Wareneinsatz) ÷ Umsatz Bruttorentabilität der Produkte
Wareneinsatzquote Wareneinsatz ÷ Umsatz Anteil der Warenkosten am Umsatz
Personalquote Personalaufwand ÷ Umsatz Belastung durch Personalkosten
Materialquote Materialaufwand ÷ Umsatz Anteil der Materialkosten
EBITDA-Marge EBITDA ÷ Umsatz Operative Ertragskraft
EBIT-Marge EBIT ÷ Umsatz Operative Profitabilität nach Abschreibungen
Cashflow-Quote Cashflow ÷ Umsatz Fähigkeit zur Cashflow-Generierung
Eigenkapitalquote Eigenkapital ÷ Gesamtkapital Stabilität der Kapitalstruktur
Gesamtkapitalrentabilität (ROA) (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital Effizienz des Kapitaleinsatzes
Eigenkapitalrentabilität (ROE) Jahresüberschuss ÷ Eigenkapital Rendite für Eigenkapitalgeber
Liquiditätsgrad I Liquide Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten Kurzfristige Zahlungsfähigkeit
 

Typischer Berechnungsweg in der BWA

Die typische Berechnungslogik innerhalb einer BWA stellt sich wie folgt dar:

  • Umsatz
    (−) Wareneinsatz
    = Rohertrag
  • Rohertrag
    (−) Personalaufwand
    (−) Sonstige betriebliche Aufwendungen
    = EBITDA
  • EBITDA
    (−) Abschreibungen
    = EBIT

8. Vergleich der Management-Schwerpunkte chinesischer und deutscher Unternehmen

Chinesische Unternehmen Deutsche Unternehmen
Gewinnwachstum Kostenkontrolle
Expansion / Skalierung Operative Effizienz
ROE (Eigenkapitalrendite) Rohertrag

 

Beispiel

Unternehmensumsatz: 1.000.000 €

Kostenstruktur:

  • Warenkosten: 400.000 €
  • Personalkosten: 200.000 €
  • Sonstige Kosten: 150.000 €
Chinesische Analyse Deutsche Analyse
Bruttogewinn = 600.000 € Wareneinsatzquote = 40 %
Bruttomarge = 60 % Personalquote = 20 %
Nettogewinn = 250.000 € Rohertragsquote = 60 %
Nettomarge = 25 %  
Fokus: Gewinnniveau Fokus: Kostenstruktur

Chinesische Rechnungslegungslogik: Gewinnorientierung
Deutsche Rechnungslegungslogik: Kostenstrukturorientierung

9. Gesamtleistungsorientierter Ansatz: Ein wesentliches Merkmal der deutschen Finanzberichte

Im Rahmen der Unternehmensanalyse konzentriert sich das deutsche Rechnungswesen, insbesondere nach den Grundsätzen des HGB und der BWA – nicht ausschließlich auf die Umsatzerlöse (Umsatz), sondern misst auch der Entwicklung der Gesamtleistung große Bedeutung bei. Dies stellt einen wesentlichen Unterschied zur Analyse- und Berichtslogik chinesischer Finanzberichte dar.

Deutsche Finanzlogik: Fokus auf den tatsächlich „geschaffenen Unternehmenswert“

In deutschen Finanzberichten wird der vom Unternehmen geschaffene Wert nicht nur anhand der bereits verkauften Produkte bewertet, sondern auch anhand der bereits produzierten, jedoch noch nicht verkauften Erzeugnisse (Bestandsveränderungen).

Beispiel:

Position Wert
Umsatz 100
Bestandsveränderung 30
Gesamtleistung 130

 

In diesem Fall geht die deutsche Finanzanalyse davon aus, dass:

Das Unternehmen hat im betreffenden Zeitraum tatsächlich Produkte oder Dienstleistungen im Wert von 130 geschaffen. Davon wurden Produkte im Wert von 100 verkauft, während Produkte im Wert von 30 weiterhin im Lagerbestand verbleiben.

Daher gilt: Gesamtleistung = Umsatz + Bestandsveränderung

Analyseperspektive chinesischer Finanzberichte

In chinesischen Finanzberichten steht bei der Analyse typischerweise der Umsatz im Mittelpunkt. Veränderungen der Lagerbestände werden überwiegend in der Bilanz sowie über die Kostenverrechnung berücksichtigt, jedoch nicht unmittelbar als im laufenden Zeitraum geschaffener Unternehmenswert betrachtet.

Daher würde der operative Umfang des Unternehmens im betreffenden Geschäftsjahr wie folgt interpretiert werden:

Umsatz = 100

Die Bestandszunahme von 30 wird nicht als im laufenden Zeitraum realisierter Ertrag betrachtet, sondern spiegelt sich vielmehr wider in:

  • der Bilanz: Erhöhung des Lagerbestands
  • der Gewinn- und Verlustrechnung: sukzessive über die Kostenverrechnung

Aus Sicht der chinesischen Finanzanalyse beträgt die Unternehmensgröße bzw. das Geschäftsvolumen somit 100.

Zusammenfassung:

  • Die chinesische Analyseperspektive konzentriert sich stärker auf realisierte Umsatzerlöse.
  • Die deutsche Analyseperspektive legt größeren Wert auf den durch die gesamte Produktionsaktivität geschaffenen Unternehmenswert.

Auswirkungen auf die Unternehmensbewertung

  • Im Rahmen grenzüberschreitender M&A-Transaktionen oder Unternehmensanalysen kann die ausschließliche Betrachtung der Umsatzerlöse (Umsatz) als Maßstab für Unternehmensgröße oder operative Leistungsfähigkeit dazu führen, dass die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestimmter deutscher Unternehmen unterschätzt wird.
  • Dies gilt insbesondere für Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Maschinen- und Anlagenbaus sowie für Branchen mit langen Produktionszyklen, in denen es häufig zu phasenweisen Bestandsaufbauten kommt.

Fazit: Bei der Analyse deutscher Unternehmen berücksichtigen Finanzberater in der Regel sowohl die Gesamtleistung, die Umsatzerlöse als auch Bestandsveränderungen, um die tatsächliche Produktionskapazität und das operative Geschäftsvolumen eines Unternehmens umfassender beurteilen zu können. Wird in Deutschland ausschließlich auf die Umsatzerlöse abgestellt, kann dies dazu führen, dass die tatsächliche Unternehmensgröße deutscher Unternehmen unterschätzt wird.

Erfahrungswerte aus der Praxis

Finanzdaten zeigen die Vergangenheit, der Unternehmenswert bestimmt die Zukunft 

In einem M&A-Deal erwirbt der Käufer nicht die historische Performance eines Unternehmens, sondern dessen zukünftige Fähigkeit zur Wertschöpfung. Daher achten Investoren bei der Unternehmensbewertung nicht nur auf historische Finanzkennzahlen, sondern insbesondere auch auf zentrale Wettbewerbsvorteile wie stabile Kundenbeziehungen, ein erfahrenes Managementteam sowie nachhaltige Auftragsbestände. Gerade diese Faktoren bestimmen das zukünftige Wachstumspotenzial eines Unternehmens und stellen daher einige der wichtigsten Werttreiber in M&A-Transaktionen dar. Aus Investorensicht wird der Unternehmenswert nicht allein dadurch bestimmt, wie viel Gewinn ein Unternehmen in der Vergangenheit erzielt hat. Entscheidend ist vielmehr, in welchem Umfang das Unternehmen künftig nachhaltig Gewinne und Cashflows erwirtschaften kann. Diese Faktoren bilden in der Regel die Grundlage für den langfristigen Unternehmenswert und zählen zu den wichtigsten Werttreibern bei der Bewertung von Unternehmen im Rahmen von M&A-Transaktionen.

– Fang Fang

Die wichtigste Aufgabe eines Buy-Side-Beraters in einem M&A-Deal ist nicht, die historischen Finanzdaten einfach zu verifizieren, sondern vor allem, die wesentlichen Risiken herauszufinden, die den zukünftigen Unternehmenswert beeinflussen.

– Hong Lang

Starke Managementteams beantworten in der Due Diligence nicht nur Fragen, sondern liefern ebenso belastbare Daten und Fakten zur Untermauerung ihrer Aussagen. 

Eine Financial Due Diligence ist daher nicht nur eine einfache Prüfung von Zahlen, sondern bedeutet ein Verständnis dafür, wie ein Unternehmen tatsächlich Geld verdient.

– Jennifer Lv

Eine Tax Due Diligence betrachtet nicht, wie viele Steuern heute gezahlt wurden, sondern welche potenziellen Steuernachzahlungen künftig entstehen können. Eine gute Tax Due Diligence kann daher potenzielle Risiken in verhandelbare Vertragsbestandteile umwandeln.

– Ricky Ma

Unternehmen in Deutschland schauen besonders auf strukturierte Vorgehensweisen, Unternehmen in China oft auf Geschwindigkeit – für erfolgreiche Zusammenarbeit braucht es das richtige Gleichgewicht beider Ansätze. 

Der Wert deutsch-chinesischer Kooperationen liegt nicht im Wettbewerb, sondern in der gegenseitigen Ergänzung der jeweiligen Stärken.

– Sara Zimmermann

Die Legal Due Diligence dient nicht dazu, ein perfektes Unternehmen zu finden, sondern akzeptable Risiken zu identifizieren. Die Vertragsunterzeichnung markiert dabei lediglich den rechtlichen Abschluss eines Deals – die eigentlichen Herausforderungen beginnen häufig erst nach dem Closing.

– Frank Yang

In chinesischen M&A-Deals wird oft zuerst geprüft ob die Vermögenswerte tatsächlich dem Verkäufer gehören. In Deutschland prüft man, ob das Unternehmen nachhaltig profitabel wirtschaften kann.

– Holger Schewe

Einen Finanzabschluss zu verstehen ist eine fachliche Kompetenz – ein Unternehmen wirklich zu verstehen ist dagegen die eigentliche Fähigkeit. 

Das Ziel von Due Diligence ist daher nicht, die Richtigkeit einer Transaktion zu bestätigen, sondern potenzielle Risiken aufzudecken, denn die meisten gescheiterten Übernahmen zeigen bereits früh Warnsignale – entscheidend ist jedoch, ob diese rechtzeitig erkannt werden.

– Dr. Michael Bormann

Über das Sino-German M&A-Team von bdp

bdp ist mit einem Expertenteam auf chinesisch-deutsche grenzüberschreitende M&A-Beratung spezialisiert und bietet maßgeschneiderte Beratungsdienstleistungen für Unternehmen aus China und Deutschland in den Bereichen Erwerb und Verkauf von Beteiligungen sowie bei Asset Deals.

Aufbauend auf einem tiefgehenden Verständnis der finanziellen, steuerlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in China und Deutschland sowie umfangreicher Erfahrung in grenzüberschreitenden Transaktionen unterstützt bdp seine Mandanten dabei, in komplexen internationalen Transaktionsumfeldern fundierte, effiziente und nachhaltige Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen.

Wir bieten unseren Mandanten integrierte Beratungsleistungen entlang des gesamten M&A-Prozesses aus einer Hand, darunter:

  • Sell-Side- und Buy-Side-M&A-Beratung
  • Unternehmensbewertung
  • Financial Due Diligence
  • Tax Due Diligence
  • Legal Due Diligence
  • Commercial Analysis
  • Projektkommunikation und Koordination zwischen chinesischen und deutschen Parteien

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit unseres Expertenteams von bdp trägt maßgeblich dazu bei, die Erfolgswahrscheinlichkeit von Transaktionen zu erhöhen, Transaktionsstrukturen zu optimieren und grenzüberschreitende Investitionsrisiken effektiv zu reduzieren.

Durch umfassende Marktkenntnis und belastbare Erfahrung in chinesisch-deutschen Projekten konnte sich bdp zunehmend zu einem wichtigen Partner für Unternehmen im Bereich chinesisch-deutscher M&A-Transaktionen und Kooperationen entwickeln.

Wenn Sie Fragen zum Thema M&A in China und Deutschland haben, kontaktieren Sie uns gerne via: china.desk@bdp-team.de

Das Sino-German M&A-Team von bdp freut sich darauf, Sie beratend zu begleiten und unterstützen.

Review: Holger Schewe (Geschäftsführer), Jennifer Lv (Partnerin)
Übersetzung: Sara Zimmermann (Senior Manager bdp China Desk)