China verschärft die Überwachung von Auslandsvermögen und grenzüberschreitenden Investitionen. Wer chinesische Investoren gewinnen möchte, muss zusätzliche Anforderungen beachten.

Chinesische Investoren sind seit vielen Jahren wichtige Partner deutscher Unternehmen, insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und bei grenzüberschreitenden Unternehmenstransaktionen. Doch die Rahmenbedingungen verändern sich. Während Deutschland ausländische Beteiligungen in sensiblen Wirtschaftsbereichen zunehmend kritisch prüft, verstärkt auch China die Kontrolle über Kapitalanlagen und Unternehmensbeteiligungen im Ausland. 

China nimmt Auslandsvermögen stärker ins Visier 

Im Oktober 2026 berichtete die Financial Times über verschärfte chinesische Steuerkontrollen bei im Ausland gehaltenen Vermögenswerten. Grundsätzlich müssen chinesische Steuerresidenten ihr weltweites Einkommen bereits seit Langem versteuern. Neu ist vor allem, dass die Behörden bestehende Pflichten konsequenter durchsetzen und mithilfe des internationalen Informationsaustauschs ausländische Finanzanlagen besser nachvollziehen können. 

Hinzu kommen neue Regelungen zur Besteuerung sogenannter Offshore-Trusts vom Juli 2026. Sie betreffen insbesondere internationale Vermögensstrukturen chinesischer Privatpersonen und Unternehmerfamilien. Unter bestimmten Voraussetzungen werden Erträge mit 20 Prozent besteuert, auch wenn sie noch nicht ausgeschüttet wurden. 

Auslandsinvestitionen werden umfassender überwacht 

Für Unternehmen ist allerdings eine weitere Entwicklung besonders interessant: Seit dem 1. Juli 2026 gelten in China neue Vorschriften für Auslandsinvestitionen. Sie beziehen ausdrücklich auch im Inland ansässige Privatpersonen in den regulatorischen Rahmen ein und rücken neben Kapitaltransfers die tatsächlichen Eigentums- und Kontrollverhältnisse ausländischer Beteiligungen stärker in den Mittelpunkt. Einzelheiten künftiger Melde- und Genehmigungsverfahren für Privatpersonen sind noch zu konkretisieren. 

Damit könnte auch der Erwerb deutscher Unternehmen durch chinesische Investoren komplexer werden. Neben Finanzierung und steuerlicher Strukturierung gewinnen die Dokumentation wirtschaftlicher Eigentumsverhältnisse, die Einhaltung chinesischer Investitionsvorschriften und die Abstimmung zwischen den beteiligten Rechtsordnungen an Bedeutung. Ein generelles Verbot oder eine automatische zusätzliche Besteuerung deutscher Unternehmenskäufe ergibt sich daraus jedoch nicht. 

Politische Reaktion oder langfristiger Kurswechsel? 

Parallel dazu werden chinesische Investitionen in Deutschland intensiver geprüft. Die Diskussion um die Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Cosco am Hamburger Containerterminal Tollerort verdeutlicht die sicherheitspolitischen Vorbehalte. Im Oktober 2026 wurde zudem die geplante Übernahme eines Hamburger Logistikunternehmens durch Cosco untersagt. 

Ob Chinas verschärfte Kontrollen auch als politische Reaktion auf solche Entscheidungen zu verstehen sind, lässt sich derzeit nicht belegen. Dagegen spricht insbesondere, dass die chinesischen Maßnahmen nicht auf Deutschland beschränkt sind. Sie betreffen weltweit gehaltene Vermögenswerte und Investitionen und fügen sich in eine breitere Entwicklung ein, bei der Beijing Kapitalbewegungen, wirtschaftliche Kontrolle und steuerliche Transparenz stärker miteinander verknüpft. 

Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand? 

Für deutsche Unternehmen, die chinesische Investoren suchen oder bereits chinesische Gesellschafter haben, bedeutet dies vor allem eines: Grenzüberschreitende Transaktionen erfordern eine noch sorgfältigere Vorbereitung. Bereits in einer frühen Phase sollten die Herkunft und Verfügbarkeit der Finanzierung, notwendige Genehmigungen, Beteiligungsstrukturen sowie steuerliche und regulatorische Verpflichtungen auf beiden Seiten geklärt werden. 

Ob die neuen Maßnahmen chinesische Investitionen tatsächlich spürbar bremsen werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass sich die Anforderungen an die internationale Transaktionsplanung weiterentwickeln. 

Das bdp China Desk begleitet mit unseren Kollegen in China Unternehmen bei grenzüberschreitenden Investitionen und M&A-Transaktionen und unterstützt bei der steuerlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Abstimmung zwischen Deutschland und China sowie bei der Beantragung der ODI (Genehmigung zur Kapitalausfuhr) in China bei den dortigen Behörden.