Für ein gutes quantitatives Rating sollte sich die Aufmerksamkeit auf Eigenkapitalquote, Rentabilität und Dynamik richten

Auch wenn Basel III erst 2013 in der ersten Stufe offiziell in Kraft tritt, treffen die Banken bereits heute ihre Kreditentscheidungen auf Basis der neuen Ratingsysteme. Nachdem wir Sie in Teil I unserer Serie über das formelle Regelwerk von Basel III informiert haben, erläutern wir in dieser Ausgabe das quantitative Rating. Das qualitative Rating behandeln wir in der kommenden Ausgabe.

Das Rating soll die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditengagements prognostizieren, und zwar die Wahrscheinlichkeit

  • einer Leistungsstörung,
  • der Höhe eines Ausfalls und
  • dessen Zeitpunkts.

Die Ratingbeurteilung setzt sich aus drei Säulen zusammen, die ggf. noch durch Korrekturfaktoren modifiziert werden:

  • Quantitatives Rating
  • Qualitatives Rating
  • Branchenrating

Beim quantitativen Rating werden die harten Faktoren untersucht, also die Bilanzanalyse, die Eigenmittelausstattung, die Rentabilität und die gezeigte Dynamik sowie der erkennbare Trend. Im Vergleich zu einer auch schon früher von den Banken vorgenommenen Bonitätsanalyse konzentriert sich jedoch das quantitative Rating neben der vergangenheitsorientierten Bilanzanalyse sehr stark auf die Plausibilisierung einer aktuellen Planungsrechnung. Es wird somit zur unabdingbaren Pflicht für Unternehmen, regelmäßig, d. h. meistens monatlich, die Unternehmensplanung zu aktualisieren. Diese muss die Ergebnisplanung, die Liquiditätsplanung und die Bilanzpostenplanung umfassen.

Planungstools, wie sie z. B. mit dem Einsatz des bdp-Monatsreportings verbunden sind, gewährleisten, dass diese neuen und hohen Anforderungen auch vom Mittelstand mit einem vertretbaren Aufwand erfüllt werden können.

Bei den meisten Ratingverfahren der Banken trägt letztendlich das quantitative Rating rund 60 % zur Gesamtnote bei, das qualitative Rating ca. 25 % und das Branchenrating rund ca. 15 %, wobei es durchaus gewisse Branchen gibt, für die per se Neukredite ausgeschlossen sind.

Beim quantitativen Rating fließen viele Analysefaktoren der Bilanz und der vorgelegten Planungsrechnung in die Bewertung ein. Die wesentlichen drei Bestandteile sowohl der vergangenheitsorientierten Bilanzanalyse als auch der kritischen Beurteilung einer vorgelegten Planungsrechnung sind jedoch die folgenden drei Hauptfaktoren, auf die sich der mittelständische Unternehmer verstärkt konzentrieren muss:

  • Eigenkapitalquote
  • Rentabilität
  • Dynamik und erkennbarer Trend

Solange diese Basisfaktoren bei einem mittelständischen Unternehmen nicht in Ordnung sind, hat wilder Aktionismus überhaupt keinen Sinn, der ohnehin nur beliebige Kennziffern minimal zu verändern vermag. Neben der Eigenkapitalquote, die eine ganz beherrschende Stellung beim quantitativen Rating innehat, beziffern die anderen Kennzahlen das Working Capital Ratio, den Gesamtkapitalumschlag, die Gesamtkapitalrentabilität, die Schuldentilgungsdauer und die Anlagendeckung. Die Standardbewertungen derfolgenden Tabelle verwenden auch die meisten Bankinstitute.

Quantitatives Rating: Standardbewertung nach Kennziffernausprägung
 
1
2
3
4
5
Eigenkapitalquote > 30% 20 - 30% 15 - 20% 10 - 15% 5 - 10%
Working Capital Ratio > 150% 130 - 150% 120 - 130% 110 - 120% 100 - 110%
Gesamtkapitalumschlag > 5-mal 4 - 5-mal 3 - 4-mal 2 - 3-mal 1 - 2-mal
Gesamtkapitalrentabilität > 15% 10 - 15% 8 - 10% 5 - 8% < 5%
Schuldentilgungsdauer < 2 Jahre 2 - 4 Jahre 4 - 6 Jahre 6 - 8 Jahre 8 - 10 Jahre
Anlagendeckung > 150% 125 - 150% 110 - 125% 105 - 110% 100 - 105%

bdp führt seit Jahren bei der begleitenden Beratung und der Jahresabschlusserstellung Ratinggespräche mit unseren Mandanten durch, die sich auf diese Hauptfaktoren konzentrieren. bdp gibt so Hilfestellung, dass in den wesentlichen, vom Unternehmer zu beeinflussenden Größen, eine kontinuierliche Verbesserung der Ratingnoten erarbeitet werden kann.  Auf Wunsch des Mandanten erstellen wir jeweils für einen Jahresabschluss oder die Quartalsabschlüsse im Rahmen unseres bdp-Monatsreportings eine Ratinganalyse, wie wir sie nachfolgend beispielhaft dokumentieren.

Musterbeispiel für die quantitative Rating-Beurteilung durch bdp

„Sehr geehrter Herr Mustermann,

[...] Nach betriebswirtschaftlich orientierter Auswertung der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung lassen sich folgende Rating-Kennzahlen darstellen, die einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zum Bilanzstichtag ermöglichen.

 

Kennzahl

Ratingnote

Eigenkapitalquote:

19,5 %

3

Working Capital Ratio:

203 %

1

Gesamtkapitalumschlag:

3 mal

3

Gesamtkapitalrentabilität:

5,4 %

4

Schuldentilgungsdauer:

5,5 Jahre

3

Anlagendeckung:

109 %

3

 1. Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote beträgt 19,5 %. Dies bedeutet, dass 19,5 % der Bilanzsumme Eigenkapital darstellen. Diese Kennzahl erhält die Ratingnote 3. Für eine gute Note 2 müsste eine Eigenkapitalquote von 20 - 30 % vorliegen.

2. Working Capital Ratio

Diese Kennziffer gibt Antwort darauf, ob das Umlaufvermögen ausreicht, die entsprechenden kurz- und mittelfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen. Hier muss für die Note  5 mindestens 100 %  Deckung erreicht werden. Diese Kennzahl erhält die Ratingnote 1, da hier die Deckung über 200 % liegt.

3. Gesamtkapitalumschlag

Diese Kennziffer sagt aus, welche Produktivität das gesamte Kapital im Verhältnis zu den Umsatzerlösen erzielt. Da das eingesetzte Gesamtkapital sich 3-mal pro Jahr durch die Höhe der Umsatzerlöse umsetzt, erhält diese Ratingkennzahl die Note 3.

4. Gesamtkapitalrentabilität

Bei der Gesamtkapitalrentabilität muss der Zielwert höher als der Zins für das Fremdkapital liegen. Dazu werden vom Jahresüberschuss die Fremdkapitalzinsen abgezogen und durch das Gesamtkapital geteilt. Diese Kennzahl kann nur durch Gewinnsteigerung und/oder Bilanzsummenverkürzung verbessert werden. Hier ermittelt sich bedauerlicherweise nur die Note 4. Ohne die Wertberichtigungen im Bereich der Forderungen von TEUR 85 läge die Gesamtkapitalrentabilität bei > 10 %, was dann der Ratingnote 3 entspräche.

5. Schuldentilgungsdauer

Diese Kennzahl sagt aus, dass der Cashflow Ihres Unternehmens ausreicht, um die aufgelaufenen Schulden zu bedienen. Dazu werden die Gesamtschulden durch den Cashflow geteilt, mit dem Ergebnis, dass die Schulden in 5,5 Jahren getilgt werden können.

6. Anlagendeckung

Die Kennziffer sagt aus, dass 109 % Ihres Anlagevermögens durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gedeckt sind. Die goldene Finanzierungsregel lautet, dass dies zu mindestens 100 % aus langfristigem Eigen- und Fremdkapital finanziert werden muss, da es sonst bei einer Reduktion des Kurzfrist-Kontokorrents nicht sofort verkauft werden kann. Diese Kennzahl erhält die Ratingnote 3, da aus Bankensicht bei einer Verwertung des Anlagevermögens immer etliche Abstriche gemacht werden müssen.

Im Mittel hat die Mustermann GmbH mit 2,8 eine befriedigende bis gute Bonität. [...]“

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