Mit bdp-Gründungspartner Dr. Michael Bormann sprachen wir über den schwierigen Weg aus der Coronakrise und was der Mittelstand nun unbedingt beachten muss.

___Dr. Bormann, wie ist die Lage bei bdp?

Die Entwicklung ist Mitte Mai so passiert, wie von uns, auch aufgrund unserer vorherigen Erfahrungen in unseren drei Büros in China (Tianjin, Qingdao und Shanghai) vorhergesehen: Durch vielfältige Kurzarbeit in den Mandantenbetrieben leidet auch unser Geschäft im Bereich der Standardbuchführung, Steuerberatung und Jahresabschlusserstellung bzw. -prüfung. Teilweise liefern die Mandanten die Unterlagen nicht oder verspätet und es verschieben sich bereits geplante Jahresabschlussprüfungen. Hierauf haben wir seit April mit selektiver und so gering wie möglich dosierter Kurzarbeit einzelner Kolleginnen und Kollegen reagiert. Ein beantragtes Coronadarlehen haben wir zum Stand dieses Interviews noch nicht erhalten.

Die Beratung in China ist seit Anfang April wieder angelaufen, jedoch natürlich auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Dies hängt auch damit zusammen, dass weder unsere deutschen Mandanten noch wir selbst, wie früher üblich, regelmäßig nach China kommen können. Neuprojekte verzögern sich aktuell auch in China, sodass die Beratung im Wesentlichen die laufende Betreuung unserer bestehenden Mandate umfasst. Hier rechnen wir frühestens im zweiten Halbjahr 2020 mit einer Erholung.

Ein anderes Bild ergibt sich selbstverständlich bei der bdp Management Consultants: Dort sind die Partner und Kollegen vollauf damit beschäftigt, Hilfsanträge unserer Mandanten für die unterschiedlichen Coronaschutzschildprogramme der Bundesregierung vorzubereiten sowie die Mandanten bei der Beantragung zu beraten und zu begleiten. Dies reicht von der Beantragung von Landesbürgschaften für unsere größeren Mandanten über die KfW-Kredite bis hin zu den Anträgen auf Zuschüsse bei den kleineren Unternehmen.

Die bdp Mechanical Components hat natürlich wie viele Industriebetriebe unter dem Stillstand vieler Werke in Europa zu leiden. Hatten wir zunächst Lieferverzögerungen durch den Coronastillstand in China, sind es nunmehr im Wesentlichen die Abnahmestopps in den europäischen Werken unserer Kunden. Da wir jedoch maximal zu 50 % für die Automobilindustrie liefern, haben wir glücklicherweise durch vielfältige öffentliche Investitionsmaßnahmen bspw. in Spanien auch gegenläufige Tendenzen: Die von uns gelieferten Ventile, Absperrvorrichtungen und Wasserinspektionsluken sind von dem Umsatzrückgang weit geringer betroffen. Wir steuern wie viele professionell aufgestellte Unternehmen unsere Liquidität in China, Spanien, Polen, Bulgarien und Deutschland tagesaktuell und können bislang durch Eigenkapital, die in China üblichen Miet- und Sozialabgabenerleichterungen sowie ein Coronahilfedarlehen des spanischen Staates unsere Liquidität sichern. Einmal pro Woche findet mit allen unseren Niederlassungen weltweit eine Videokonferenz zum Thema Liquidität statt, in der wir sämtliche Liquiditätsplanungen auf aktuellem Stand besprechen. Wir sind überzeugt, hierdurch die wahrlich nicht geringen Anforderungen in dieser Krise gut überstehen zu können.

___Wie ist die Situation bei den deutschen Mandanten?

Die meisten Mandanten haben selbstverständlich mit der scharfen Vollbremsung der Wirtschaft zu kämpfen: Automobilzulieferer können nicht liefern, weil die Kunden nicht abnehmen, kein Tourist lässt auch nur einen Euro bei der Tourismusbranche und viele Unternehmen haben mit der deutlich eingeschränkten Mobilität und den bis vor kurzen geschlossenen Einzelhandelsgeschäften zu kämpfen. Fraglich ist, wie jetzt die Wirtschaft wieder anläuft, wie der Konsumhunger der Bürger ist oder ob die Sorge der Verbraucher über das eigene Einkommen den Konsum deutlich dämpfen wird.


Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 14. April 2020: „Schlote: Wichtige Hilfe für ein transparentes Unternehmen“

„Das Unternehmen skizziert klare Pläne, wie es die Krise bewältigen will und wann sich der Steuerzahler als Bürge wieder zurückziehen kann. Schon bei der Ausgabe seiner Anleihe hatte sich Schlote ungewöhnlich transparent gezeigt. Diese erfreuliche Offenheit kann die Akzeptanz für die staatliche Unterstützung der Firma nur erhöhen.“​

 

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 14. April 2020

Wir haben bei vielen Unternehmen erfolgreich Anträge auf Darlehen aus dem Coronaschutzschild gestellt, so zum Beispiel bei dem Automobilzulieferer Schlote einen 20-Millionen-Euro-Kredit (vgl. Kasten), der über eine Landesbürgschaft abgesichert wurde und bei der NZWL Neue Zahnradwerk Leipzig ein KfW-Darlehen in Deutschland und ein Liquiditätshilfedarlehen in der Slowakei. Darüber hinaus begleiten wir viele Verhandlungen auf Tilgungsstreckung, Reduzierung von Leasingraten, temporäre Mietreduktionen und andere Liquiditätshilfen wie zum Beispiel Steuerstundungen.

___Als international aktiver Berater blicken Sie über den deutschen Tellerrand. Was sehen Sie?

Im europäischen Ausland sieht es wirtschaftlich ähnlich wie in Deutschland aus, wobei die allermeisten Länder nicht das sehr gute deutsche Instrument der Kurzarbeit kennen. Tschechien hat vor Kurzem ebenfalls eine Kurzarbeit ins Leben gerufen, die allerdings deutlich schlechter als das deutsche Modell ist. Viele andere Länder haben dies gar nicht.

Auch in Spanien gibt es keine Kurzarbeit. Allerdings ist die Beantragung von Coronahilfedarlehen dort einfacher als in Deutschland. Bulgarien leidet sehr unter der aktuellen Abschottung. Kurzarbeit ist dort nicht bekannt, allerdings ebenfalls staatlich subventionierte Unterstützungsdarlehen. Italien beispielsweise hat in unterschiedlichen Regionen attraktive Investitionsanreize geschaffen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen. Auch Polen ist stark betroffen, Kurzarbeit gibt es dort nicht, Unterstützungsdarlehen für einzelne Unternehmen schon. Sehr schwer wird es dort jedoch für deutsche Tochterunternehmen aufgrund des politischen Mainstreams.

____Wie beurteilen Sie die deutsche Krisenpolitik auch im internationalen Kontext?

Wenn man die Coronazahlen betrachtet, kann man der deutschen Politik keine Vorwürfe machen, im Gegenteil: Wir stehen weltweit recht gut dar. Das Problem ist nur: Den Preis hierfür kennen wir alle noch nicht. Auch in Deutschland wird es die heftigste Rezession nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geben, und es ist aktuell noch nicht abzusehen, wann wir uns hiervon erholen werden. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass ein starker, funktionierender demokratischer Staat mit einem klaren Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft sich in dieser Situation anscheinend deutlich besser schlägt als viele andere Länder.

____Gibt es absehbare Konsequenzen aus der Krise, die deutsche Mittelständler zukünftig unbedingt beachten sollten?

Liquidität sichern! Dies ist das Gebot der Stunde, denn die allerbesten Konzepte, Zukunftsplanungen und Absichten nützen nichts, wenn man als Unternehmen nicht mehr zahlen kann. Hieran ändert auch die zunächst ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für die Zahlungsunfähigkeit wenig, denn faktisch kann sich ein Unternehmen nicht mehr bewegen, wenn es Lieferanten und Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann.

Insofern raten wir alle unseren Mandanten, noch stärker als sonst auf die Liquidität zu achten, professionelle Systeme zur Liquiditätsplanung und Liquiditätssteuerung einzurichten und stets den genauen Überblick zu behalten. Dies ist unabdingbar für ein Überleben in dieser schwierigen Zeit. bdp steht jederzeit bereit, unsere Mandanten hierbei zu unterstützen, sei es bei Verhandlungen mit Kunden, Lieferanten und Finanzierungspartnern oder der Einrichtung professioneller Liquiditätssteuerungsinstrumente.