Wie deutsche Unternehmen mit E-Mobility und alternativen Antrieben weiterhin Absatzmärkte sichern und notwendige Änderungen im Produktportfolio umsetzen können (Teil 2).

In der letzten Ausgabe von bdp aktuell hatten wir beschrieben, wie die deutsche Industrie, speziell die Automotive-Werkzeugmaschinenhersteller durch die Diversifizierung der Antriebe vor dem vielleicht gewaltigsten Changeprozess der jüngeren Industriegeschichte stehen. Dafür bietet der chinesische Markt enorme Chancen. Hatten wir uns zuletzt auf die personellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen des Markteintritts in China befasst, wollen wir nun die konkreten Umsetzungsschritte erläutern.

C. Konkrete Umsetzungsschritte

I. Markt- und Locationresearch

Vor dem Schritt nach China muss zunächst der relevante Markt untersucht und dann der richtige Standort gefunden werden.

Für den Markt ist es relevant, was das Unternehmen vordringlich sucht: einen Partner zur gemeinsamen Produktion oder Entwicklung von neuen Technologien oder einen Absatzmarkt. Oder beides? 

Hinsichtlich der richtigen Standortwahl kommt es auf viele Faktoren an: Fördermöglichkeiten durch die jeweilige Lokalregierung, das Potenzial gut ausgewählter, motivierter Mitarbeiter für das Unternehmen, die Nähe zu Seehäfen für den Export oder auch die Lebensqualität spielen sicherlich eine große Rolle.

Weitere Standortbedingungen können Energiekostenpreise, keine Gefahr von Unternehmensschließungen durch Environmental Risks, aber auch gewisse Cluster für spezielle Industriezweige sein. 

Hier bedarf es sicherlich der externen Unterstützung eines in China erfahrenen Beraters, der auch Standorte gegeneinander bewerten kann und Pro und Kontra aufzeigen kann. Eine Bedeutung kann auch sein, dass bereits Schlüsselindustrien wie Luftfahrt, Automotive oder Rail-industrie am Standort vorhanden sind. So sind zum Beispiel am Standort Tianjin in der dortigen Wirtschaftszone TAEA sowohl Airbus als Ankerunternehmen für die Luftfahrtindustrie als auch diverse Automotive-Getriebebauer vor Ort, sodass sich Zulieferer dort ansiedeln können. TAEA beispielsweise ist mit dem Highspeed-Train von Peking in weniger als einer Stunde zu erreichen. Die dortige Wirtschaftszone hält vielfältige Angebote für Unternehmen bereit. 

Hier muss für das Unternehmen individuell ermittelt werden, welcher Standort nach einem vorher entwickelten Anforderungsprofil am besten für das Unternehmen passen könnte.

II. Überlegungen zur Gesellschaftsform

Das Unternehmen muss vorher, ggf. unter Zuhilfenahme eines externen Beraters, ermitteln, welche Gesellschaftsform in China am besten passend sein könnte. Es beginnt mit dem sogenannten Representative Office, einer Repräsentanz ohne eigene Rechtspersönlichkeit, die allerdings maximal 4 Mitarbeiter beschäftigen kann und ausschließlich Markt-, Standort-, Mitarbeiter- und Kunden- oder Zuliefererkontakte herstellen kann. Dem Representative Office ist es untersagt, eigene Geschäfte durchzuführen. 

In China ist es bereits mehrere Jahre erlaubt, auch 100%-ige Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen zu gründen, sogenannte WFOEs (wholly foreign owned enterprises), die am ehesten einer deutschen GmbH entsprechen. Sofern gewünscht, können die in China notwendigen Organe (Legal Representative, Executive Director, General Manager) in einer Person ausgeübt werden und auch von Ausländern, die nicht ständig in China anwesend sind. Zusätzlich bedarf es noch eines sogenannten Supervisors, der jedoch vom Organ der Gesellschaft getrennt sein muss. Dieses ist sicherlich eine Rechtsform, die relativ einfach für den Start zu managen ist und trotz etlicher chinesischer Besonderheiten auch viele Gemeinsamkeiten mit der deutschen GmbH aufweist. 

Überlegt das Unternehmen jedoch, gemeinsam mit einem chinesischen Partner das Geschäft zu betreiben, würde sich ein Joint Venture anbieten. Hier gibt es etwas kompliziertere Regelungen für das Board of Directors, und in der Praxis wird es etliche Diskussionen mit dem chinesischen Partner über die Besetzung der Funktionen, über die Kapitalverteilung oder Bewertung des einzubringenden Know-hows geben. Im täglichen Geschäft ist eine Joint-Venture-Gesellschaft in China durchaus anspruchsvoll und es wird etliche Zeit benötigen, um mit dem chinesischen Partner notwendige Dinge abzustimmen.

Für größere Unternehmen gibt es auch die Möglichkeit, eine Listed Company zu gründen und einen Börsengang in China durchzuführen.

III. Gründungsprozedere

Wie in Deutschland auch, ist die Gründung einer Gesellschaft in China recht formalisiert und bedarf etlicher Unterlagen, so auch beglaubigter und mit Apostille versehener Dokumente der deutschen Muttergesellschaft. Es ist keinem deutschen Unternehmen anzuraten, diesen Gründungsprozess alleine oder mit einem lokalen Serviceprovider durchzuführen. Hier empfiehlt sich immer die Begleitung durch externe Berater, die sowohl in Deutschland als auch in China Büros haben und somit die schnelle und missverständnisfreie Kommunikation mit dem Unternehmen sicherstellen können. 

In China ist zu unterscheiden, ob es sich (zunächst) um eine Trading Company handelt, die wesentlich einfacher und schneller zu gründen ist als eine Production Company, für die mittlerweile in vielen Regionen Chinas recht umfangreiche Environmental, Energy und Feasibility Studies etc. erforderlich sind. 

Eine Trading Company kann in China in rund 3 Monaten gegründet werden, für den Gründungsprozess einer Production Company muss mindestens ein halbes Jahr oder länger veranschlagt werden.

Vor der formellen Gründung empfiehlt es sich stets, mit der jeweiligen Lokalregierung den Business Case zu besprechen und über Subventionen zu verhandeln, denn in China gibt es keinen festen Förderkatalog, sondern die Subventionen sind in den Vorwegen einzeln und individuell auszuhandeln. Diese können Investitionszuschüsse, Erleichterungen bei dem Erwerb oder der Anmietung von Gewerbeflächen, Steuererleichterungen oder Benefits (Lohnsteuer) für die künftigen Mitarbeiter umfassen.

Sodann ist die Besetzung der Organfunktionen im Unternehmen sorgfältig zu überlegen und nach formeller Gründung der Ablauf der administrativen Betreuung, so zum Beispiel durch deutsch-chinesische Beratungsfirmen, die auch eine dritte Instanz bei der Prüfung der Finanzdaten sein können, was für deutsche Muttergesellschaften einen erheblichen Mehrwert darstellt, da in den meisten Fällen das Unternehmen selbst die Belege nicht prüfen kann und somit vollständig auf die neuen chinesischen Mitarbeiter angewiesen wäre.

Wichtige weitere Punkte sind die Eröffnung der Bankkonten (es muss ein separates Bankkonto für das Stammkapital eingerichtet werden) und weitere Formalschritte wie die Anmeldung bei der Gewerbebehörde, dem Finanzamt etc., was in China meist recht anspruchsvoll ist. Auch hier empfiehlt sich die Hinzuziehung eines erfahrenen Beraters.

D. Fazit: Erfolgsfaktoren in China

China bietet auch oder gerade heute für deutsche Unternehmen vielfältige Chancen, gerade durch den Changeprozess in der Industrie, den hohen Bedarf und Markt in China für die E-Mobility und die deutsche Technologieführerschaft in diesem Bereich ergeben sich vielfältige Chancen und Möglichkeiten.

So haben wir gerade einen schon seit etlichen Jahren in China tätigen deutschen Automotive Supplier bei einem Joint Venture mit einem chinesischen E-Mobility-Anbieter begleitet. 

Dennoch muss der Gang nach China sorgfältig überlegt und später detailliert geplant werden. Insbesondere müssen die Ressourcen in deutschen Mutterunternehmen bereitstehen, damit das Gesamtprojekt ein Erfolgsprojekt wird.