Interimsmanager helfen, Auswege aus kritischen Situati

Der Einsatz von Interimsmanagern kommt für mittelständische Unternehmen bei unterschiedlichen Szenarien infrage. Wir stellen Ihnen drei Fallbeispiele aus der bdp-Praxis der jüngsten Vergangenheit vor. Sie reichen von Dienstleistungen für den Insolvenzverwalter über beratende Mitarbeit beim Aufbau des Controllings bis hin zur Besetzung einer Vakanz. In allen Fällen hilft der bdp-Interimsmanager dabei, Auswege aus einer kritischen Situation zu finden.

MAL Magdeburger Artolith GmbH: Dienste für den Insolvenzverwalter

In den Jahren 2006 und 2007 hat die MAL Magdeburger Artolith GmbH eine nagelneues Werk zur Produktion vom Tafeln aus quarzbasiertem, harzgebundenem Naturstein, sogenanntem Engineered Stone, gebaut. Diese finden beispielsweise im Luxussegment der Bad- und Küchenausstattungen Anwendung. Die Produktion konnte 2007 beginnen.

Doch schon Anfang 2008 hatten unplausible Annahmen im Business-Plan und massive Probleme in der Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den Finanzierungspartnern zu einer so angespannten Situation geführt, dass letztere darauf drängten, dem amtierenden Gesellschafter-Geschäftsführer einen externen Interimsmanager zur Seite zu stellen. In 2008 nahm der bdp-Interimsmanager als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer seine Arbeit auf.

Vor dem Hintergrund umfangreicher Analysen und in intensiver Diskussion mit den Finanzierungspartnern wurde schließlich entschieden, die Produktion zunächst einzustellen und gleichzeitig einen M&A-Prozess einzuleiten. Als Anfang 2009 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt werden musste, konnte bdp dem vorläufigen Insolvenzverwalter bereits eine umfangreiche Analyse vorgelegen und diesen von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells überzeugen.

Der Insolvenzverwalter beauftragte daraufhin bdp damit, den Betrieb weiterhin operativ zu betreuen sowie den M&A-Prozess zu strukturieren und ergebnisorientiert zu führen. Wichtig war, die geschäftlichen Kontakte aufrechtzuerhalten sowie die Kommunikation zwischen der Gläubigerbank, dem Insolvenzverwalter und dem Unternehmen selbst. Der Interimsmanager hat dabei Hand in Hand mit dem Insolvenzverwalter zusammengearbeitet und die für einen M&A-Prozess nötigen Aufgaben, insbesondere die Investorensuche, die Finanzierung und die Verhandlungsbegleitung erledigt. Operativ musste die Produktionsfähigkeit aufrechterhalten sowie der Abverkauf von Lagerbeständen bewerkstelligt werden.

In einem solchen Fall ist die Geschäftsführung durch einen  Interimsmanager von besonderem Vorteil, weil dessen neutrale Position ihm nach allen Seiten eine zielorientierte Kommunikation ermöglicht. Mitten in der Krise kann der Interimsmanager mit nötiger Sozialkompetenz die divergierenden Interessen aller Beteiligten innerhalb und außerhalb des Betriebs so zusammenführen, dass die Entwicklung zum Wohle des Unternehmens und mit bestmöglicher Arbeitsplatzsicherung verläuft. All dies muss im Einklang stehen mit den Direktiven des Insolvenzverwalters, der ja den Gläubigern verpflichtet ist.

Rahn Dittrich Group: Weiterentwicklung des Controllings

In einem anderen Fall waren es die Zwänge des föderalen Bildungswesens, die ein Unternehmen in Liquiditätsengpässe brachten. Während allerorten in Deutschland lauthals ein Mangel an Bildung und qualifiziertem Nachwuchs beklagt wird, haben es private Schulträger nicht leicht, neue Schulen und Schulformen begründen zu können. Dies gilt, obgleich private Schulen seit Jahren gegenüber staatlichen Schulen einer deutlich steigende Nachfrage haben.

Wer aber in Deutschland eine private Schule betreiben will, muss je nach Bundesland zwei bis vier Jahre nachweisen, in denen er in der Lage ist, den Schulbetrieb finanziell und auf dem erwarteten Qualitätsniveau aufrechtzuerhalten. Erst dann bekommt er sogenannte Schulgelder als Finanzhilfe vom jeweiligen Bundesland. Das ist in etwa so, als würde ein Unternehmer ein Produkt entwerfen und erst vier Jahre später den ersten Umsatz machen dürfen. Keine Bank der Welt würde da freiwillig mitspielen.

So geriet auch die Leipziger Rahn Dittrich Group, ein Verbund von 19 Privatschulen und einer Weiterbildungsakademie, in Liquiditätsprobleme, weil Personal und Material für vier neue Privatschulen finanziert werden mussten, aber andererseits auch Zins und Tilgung für die Schulimmobilien fällig waren. Mit der Immobilienkrise bekamen die Banken auch hier kalte Füße und verlangten den Einsatz eines Interimsmanagers, der ein Auge auf Finanzen und Controlling haben sollte. bdp wurde beauftragt, dem Unternehmen beim Aufbau eines qualifizierten Berichtswesens zu helfen. Gleichzeitig wurde der Interimsmanager das kommunikative Bindeglied zwischen dem Unternehmen und allen die Gesellschaft finanzierenden Banken.

Für den Geschäftsführer Gotthard Dittrich war es zunächst ein Schock, das ihm nach fast zwei Jahrzehnten erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit plötzlich von der Bank ein Interimsmanager an die Seite gestellt wurde. Der bdp-Interimsmanager musste sich also sowohl sensibel in ein neues Team integrieren als auch faktenorientiert und sachlich Bankenrunden moderieren, um den Turnaround zu schaffen. Inzwischen ist auch der Privatschul-Verbund auf einem guten Weg.

Hier zeigt sich ein großer Vorteil des Interimsmanagers in mittelständischen Unternehmen. Nach und nach zieht er sich nach getaner Projektarbeit aus dem Unternehmen zurück, ohne dass der sonst übliche „Goldene Handschlag“ fällig wird. Zwar kassiert der Interimsmanager ein Tageshonorar um die 1.200 Euro. Der Unternehmer ist jedoch von Sozialabgaben, Pensions- und Urlaubsansprüchen befreit. Zudem ist der Interimsmanager in der Regel nicht in Vollzeit im Unternehmen tätig. Mehr noch: Ein guter Interimsmanager sorgt auch dafür, sich selbst überflüssig zu machen.

„Nach fast zwei Jahrzehnten erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit war das für mich natürlich ein Schock, als die Banken mir einen Interimsmanager vor die Nase setzen wollten. Aber schon bei den ersten Gesprächen mit bdp wurde mir klar, dass professionelle Unterstützung nicht Bevormundung sein muss, sondern auch eine große Hilfe sein kann. Das professionelle Vorgehen und die soziale Kompetenz von bdp haben mich schließlich überzeugt und haben eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit ermöglicht.“

Gotthard Dittrich
ist Geschäftsführer der Rahn Dittrich Group

Cirrus Airlines Luftfahrtgesellschaft mbH: Vakanz besetzt

Interimsmanager sind auch Feuerwehrmänner. Etwa wie im Falle der Münchner Cirrus Airline Luftfahrtgesellschaft, wo der Posten des Leiters Rechnungswesen krankheitsbedingt verwaist war. Dafür sprang ein bdp-Interimsmanager ein.

Eine Tätigkeit im Bereich Finanzen und Controlling bei einer Airline verlangt nach besonderen Spezialisten. Es gibt die unterschiedlichsten steuerlichen Besonderheiten, da Flugtickets quasi aus allen Regionen der Welt bestellt werden. Auch die Abrechnung der Flugtickets hat Besonderheiten. Diese funktioniert ohne Rechnungslegung, weil die Flugkosten direkt von der Kreditkarte oder vom Konto abgebucht werden, obwohl der Flug erst Wochen oder Monate später begonnen wird. Über Cash-Pooling wickeln die Airlines ihre Zahlungen ab. Eine Clearingstelle übernimmt die Bündelung der Finanzströme.

Der bdp-Interimsmanager bei Cirrus Airlines hat neue Kontierungsrichtlinien erstellt und die speziellen Anforderungen der Luftfahrtbranche in die Buchhaltungssysteme von SAP implementieren lassen. Damit konnte ein wöchentliches Reporting erstellt werden, um die finanzielle Situation zu kontrollieren. Bei einer Airline spielen Preise, Passagierzahlen und auch das Wetter eine wichtige Rolle im operativen Geschäft. Zudem sind die Maschinen geleast und werden extern gewartet, so dass selbst bei einer Vollauslastung die Eigenkapitaldecke gering ist. Es gelang dem bdp-Interimsmanager, die Aufgabe erfolgreich zu erledigen. Während seiner Tätigkeit standen auch Termine für Personalgespräche im Kalender. So musste ja ein Nachfolger gesucht und eingearbeitet werden.

„Die von bdp durchzuführenden Prüfungs- und Planungsarbeiten erfolgten professionell, zügig und umsichtig mit verwertbaren Ergebnissen. Hervorzuheben ist die konkrete Umsetzungsunterstützung bei uns im Unternehmen im Finanz- und Rechnungswesen, für die wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken.“

Dr. Peter Clarner
ist Geschäftsführer der Cirrus Airlines Luftfahrtgesellschaft mbH

Was ist das Wichtigste an der Arbeit des Interimsmanagers?

Er sollte präsent und zugleich unsichtbar sein. Flugpassagiere oder Elterninitiativen sollten nichts von den Veränderungen im Unternehmen mitbekommen. Er muss einerseits vermittelnd auf die Geschäftsführung und Mitarbeiter des Unternehmens einwirken, um sie in der bestehenden Krisensituation zu beruhigen. Anderseits muss er aber auch ein knallharter Verhandlungsführer gegenüber Banken, Lieferanten oder Warenkreditversicherern sein. Er ist eine Art Krisenlotse, der auch in schwerer See das Schiff sicher auf Kurs hält.

Welche Vollmachten hat ein Interimsmanager? 

Vom Vollkaufmann wie im Falle MAL, über den Moderator und Mediator bei den Banken wie im Fall der Rahn-Dittrich-Group bis hin zur Besetzung einer personellen Vakanz im Fall Cirrus Airlines ist der Interimsmanager mit den unterschiedlichsten Vollmachten ausgestattet. Nicht immer ist dabei Prokura in vollem Umfang erforderlich.

Fazit

Ein Interimsmanager in einem mittelständischen Unternehmen ist der Fachmann für Vakanzen und für Krisen, die man als erfolgreicher Unternehmer natürlich nie voraus geahnt hat. Er ist Feuerwehrmann, Stratege, Hoffnungsgeber zugleich. Wenn am Ende wieder sichere Arbeitsplätze stehen, hat sich sein Einsatz gelohnt.