Wie gehen Unternehmensleitungen mit den Herausforderungen der Pandemie um? Interviewpartner in unserer Serie ist in dieser Ausgabe Dr. Michael Bormann, seit 1992 bdp-Gründungpartner.

In unserer Interviewserie zum Management in der Pandemie sprechen wir diesen Monat mit Dr. Michael Bormann, Steuerberater und seit 1992 bdp-Gründungspartner. bdp bietet dem Mittelstand seit drei Jahrzehnten professionelle Beratung und Orientierung bei allen unternehmerischen Herausforderungen.

___ Wie haben Sie in Ihrem Unternehmen zu Beginn der Corona-Zeit reagiert?

Die Anfangsphase war natürlich eher schockreich, denn da war ich selbst noch in China. Am 25. Januar 2020 kam ich zurück nach Deutschland. Wir hatten schon mitbekommen, was das in China nach sich ziehen könnte nämlich weitere Büro- und Werksschließungen. Wir waren noch rund zwei Wochen in der Hoffnung, dass es in Deutschland nicht ankommt oder nicht so schlimm wird. 

Als sich dann Ende Februar 2020 abzeichnete, dass Europa genauso betroffen sein würde, war man natürlich sehr beunruhigt: Wie wird sich das auf die Auslastung niederschlagen? Wie reagieren die Mitarbeiter und wie kann man sie schützen? Wie kann man das organisieren, mit einem Wechselbelegungsplan, mit Homeoffice, mit Schutzmasken, die zu der Zeit ja noch nicht so reichlich verfügbar waren… Wir selbst haben das erste Paket an Schutzmasken über unser eigenes Unternehmen in Shanghai eingekauft und nach Deutschland geschickt. Man hatte sehr, sehr viele offene Fragen und dazu wenige Antworten. Darum waren wir für uns selbst und auch für unsere Mandanten durchaus beunruhigt.

„Ich glaube, dass in vielen Firmen der Wunsch der Mitarbeiter bleiben wird, dass Teile der Arbeit von zu Hause aus ausgeübt werden.“

___ Wie stellen Sie die Kommunikation mit ihrem gesamten Team sicher? Inwiefern mussten Sie Ihre Kommunikationsstrategie überdenken und ggf. anpassen?

Wir als bdp hatten da einen gewissen Vorteil. Wir sind durch unsere Büros im Ausland, sowohl durch unsere drei chinesischen Büros als auch durch die in Bulgarien, in Spanien, in Polen etc. schon lange trainiert, die Kommunikation offen und intensiv über Videokonferenzen zu führen. Wir selbst nutzen seit sieben Jahren Videokonferenzen mit den Auslandsstandorten und haben das dann intensiviert. 

Das mussten wir auch in den Standorten selbst mehr einführen, da auch wir natürlich verstärkt Homeoffice betreiben. Wir haben bei einem Anbieter vier sichere Räume dazu gemietet. Auch unseren Mandanten haben wir dazu geraten, verstärkt Videoconferencing zu nutzen, und da konnten wir auch ein bisschen Mehrwert bieten. 

Mittlerweile ist das ja aber ein sehr gebräuchliches und fast schon normales Mittel der Kommunikation geworden. Wichtig ist aber immer, gerade, wenn man sich nicht regelmäßig im Büro sieht, dass man trotzdem Regeltermine einführt, dass man sich als Team in einem virtuellen Raum trifft, um die Punkte, die normalerweise beim „sich treffen“ im Büro besprochen werden. Wie gesagt, wir hatten einfach einen kleinen Vorteil, weil wir darin schon sehr trainiert waren.

___ Gibt es aktuelle Änderungen in Ihrem Unternehmen, die Sie auch nach der Krise beibehalten wollen?

Da würde ich zum einen das Homeoffice nennen. Ich glaube, dass in vielen Firmen der Wunsch der Mitarbeiter bleiben wird, dass Teile der Arbeit von zu Hause aus ausgeübt werden. Wahrscheinlich nicht fünf Tage die Woche, da der persönliche Austausch im Büro auch für das Teambuilding wichtig ist. Aber dass man an einigen Tagen die Woche den mühsamen Stadtverkehr sparen kann und lieber produktiv von zu Hause aus arbeitet, das glaube ich, wird auch nach der Pandemie bestehen bleiben. Da werden wir mit Sicherheit mit offenen Gesprächen bereitstehen, um solche Dienstpläne möglich zu machen.

„So richtig viele positive Punkte kann und konnte ich dieser Krise nicht abgewinnen.“

Das sehe ich auch bei etlichen anderen Unternehmen, dass das so bleiben wird. Ansonsten wird man sicherlich auch nach der Pandemie überlegen, wie notwendig jede Dienstreise ist. Ein Beratungsunternehmen wie unseres hat traditionell einen sehr hohen Dienstreiseanteil, unsere Reisekosten sind traditionell extrem hoch, weil man früher Beratungen immer direkt beim Mandanten vor Ort durchgeführt hat. Das wird sich sicherlich nicht auf null reduzieren. 

Der Vor-Ort-Besuch, die Atmosphäre, das „Beschnuppern“ und das Wahrnehmen von Strömungen, das Verhalten einzelner Mitarbeiter der Mandanten – das kriegt man einfach nur mit, wenn man beim Mandanten vor Ort ist. Aber die Häufigkeit und Intensität wird voraussichtlich zurückgehen, davon gehen ja auch Experten wie der Vorstand der Lufthansa aus. Ich denke ganz stark, dass das auch nach der Krise erhalten bleibt.

___ Was hat sich in Ihrem persönlichen Arbeitsalltag geändert?

Ich muss sagen: Mein persönlicher Arbeitsalltag wurde komplett umgekrempelt. Ich bin die letzten 20 Jahre 220 Tage im Jahr unterwegs gewesen, davon die letzten 10 Jahre auch permanent innerhalb der Woche in verschiedensten Ländern. Das ist seit Februar 2020 fast auf null gegangen. Ich war in den Monaten in 2020, in denen es möglich war, noch etliche Male in Polen und Spanien und in unserem neuen Büro in Zürich. 

„Die Häufigkeit und Intensität von Dienstreisen wird voraussichtlich zurückgehen.“

Im Vergleich zu den Jahren zuvor war dieses permanent vor Ort sein fast gar nicht mehr da. Durch ein relativ großes Interimsmandat bin ich häufig noch außerhalb meines Homeoffices außerhalb unseres Büros bei einem Mandanten tätig, aber das ist für mich eine relativ kleine Dienstreise innerhalb Norddeutschlands. Das kann man fast gar nicht als Dienstreise bezeichnen.

___ Gab es trotz der Krise positive Entwicklungen in Ihrem Unternehmen?

Na ja, also ich sage mal so: Jeder versucht sicherlich das Beste daraus zu machen und das Beste aus der Situation herauszulesen. Aber wenn man so ganz offen und ehrlich ist: Positive Aspekte hat diese Krise keine. Die Wirtschaft ist massiv betroffen, viele Unternehmen fangen an, sich Sorgen um die eigene Existenz zu machen. 

Sicherlich ist die Kommunikationsbereitschaft des Teams, sich auf Videokonferenzen auszutauschen und einen Zusammenhalt zu haben, selbst wenn man sich nicht täglich sieht, größer geworden. Das ist sicherlich auch eine positive Entwicklung. Ansonsten muss ich aber leider sagen: So richtig viele positive Punkte kann und konnte ich dieser Krise nicht abgewinnen.